#108 - Bringing it All Back Home

Oh, the time will come up

When the winds will stop

And the breeze will cease to be breathin'

Like the stillness in the wind

Before the hurricane begins

The hour that the ship comes in

(Bob Dylan)

 

Ihr habt vielleicht mitbekommen, das ich mit meinem Lager umgezogen bin. Wie das bei Umzügen so ist, dauern diese immer länger als geplant und auch im neuen Haus geht nicht alles sofort hundertprozentig glatt.

Betrachten wir es, mit Dylan, als die Ruhe vor dem Sturm. Dieser startet jetzt!

Neu auf Lager sind die Weine von Filippo Rizzo aus Sizilien. Auf seinem Weingut Lamoresca keltert er sanft extrahierte Köstlichkeiten aus Frappato, Nero d'Avola und auch ein wenig Nerello Mascalese von einem uralten Weingarten am Etna. Die Weine zeigen eine bemerkenswerte Eleganz und Duftigkeit für das verhältnismässig heiße Klima Siziliens. Unbedingte Empfehlung!

 

Aus dem Herzen Frankreichs direkt in meins! Nicolas Carmarans präsentiert einen bombastischen neuen Jahrgang 2018. Negret de Banhars oder Fer Servadou sagen dir nichts? Vom Aveyron noch nie etwas gehört? Du bist nicht allein! Aber dennoch, DAS muss man ändern! Wildwürzige Weine mit ursprünglicher Saftigkeit. Eine rare Schönheit – sein Chenin blanc „Selves“ direkt beim Haus am See. Dieses Jahr endlich auch Magnums!

 

Nul n'est censé ignorer la Loire! Und ich könnte es auch gar nicht. Im Alltagsweinbereich sind erneut Weine von La Grange aux belles auf Lager gekommen. Der zart fließende La Chaussee rouge oder der saftig, dunkelfruchtige „53“ - von einem Weingarten der 1953 gepflanzt wurde. Das sind die besten Beispiele um sich an die Rebsorte Cabernet franc ran zu tasten. Ihr Chenin blanc Les Moyens du Bord ist ebenfalls hochgradig alltagstauglich.

 

Von Nicolas Reau bekommen wir wunderbaren Chenin blanc aus dem Clos de Treilles – einer einzigartigen Parzelle im Süden der Region. VORSICHT – auch sein Chenin mechant wartet darauf zuzubeißen. Daneben bereichert sein erstklassiger Cabernet franc aus der Region Chinon mein Angebot. Von Sylvie Augereau, Organisatorin der Dive Bouteille und Freundin von Nicolas bekommen wir ihren luxuriösen Chenin blancs „Pulpes“ (auch in Magnum erhältlich) der von einem alten Weingarten Nahe dem Ort Le Thoureil stammt, wo „laut Schülergraffiti“ das erste mal in der Geschichte vom Chenin blanc als Rebsorte die Rede war.

Daneben gibt es zwei unbekanntere rote Rebsorte an der Loire, die mir in den letzten Jahren besonders ans Herz gewachsen sind. Zum einen der Grolleau Noir, zum anderen Pineau d'Aunis. Das sind im besten Fall, tiefe feinwürzige Weine mit ordentlich Charakter. Man findet diese leider selten reinsortig. Mit der Domaine Les Grandes Vignes kommt ein neuer spannender Betrieb ins Sortiment; der diese Lücke füllt! Ein 55ha großes, biodynamisch geführtes Weingut im Herzen von Anjou. Die Biodynamie auf diesem Level zu betreiben, ist eine ganz eigene Kunst.

Weiter in Richtung Atlantik treffen wir uns im Muscadet bei Marion & Manu Landron auf ihrem Weingut COMPLEMENTERRE! Geniale Muscadet Einsteiger wie der KerMa oder La Croix Moriceau, sowie der rare Lagenwein Le Breil. Dieser hat mich damals vom enormen, unentdeckten, unterrepräsentierten Potential der Region überzeugt. Daneben sind Muscadets für mich die besten Begleiter zu allem was aus dem Meer kommt; und sei es Fisch, Muschel oder Auster; die leckere Zeit beginnt nach meinem Dafürhalten mit den kalten Temperaturen jetzt erst so richtig.

 

Die Domaine de la Cadette aus dem Burgund brauche ich fast schon nicht mehr vorzustellen. Das sind ganz feine Burgunder zu einem enorm sympathischen Preis. Ich habe zwar eine gute Menge einkaufen dürfen, allerdings ist auch hier die Nachfrage mittlerweile groß.

 

Ganz nahe am Burgund liegt Baden oder? Sollte man meinen, wenn man in die Tropfen von Christoph Wolber und Alexander Götze (WASENHAUS) reinschnuppert. Das Talent und vor allem das unermüdliche Winzerhandwerk setzt sich auch im neuen Jahrgang fort. Leider nur limitierte Mengen.

 

… irgendwas fehlt ??? Ach ja, JURA! Hier sind die Weine der Domaine des Marnes Blanches auf Lager gekommen. Ich werde nicht müde diese Weine in den höchsten Tönen zu loben! Alle Welt schmeisst sich auf Overnoy, Bruyere oder Labet. Vielleicht ist diese junge Domaine noch nicht ganz dort, wo die Granden sind, aber Pauline und Geraud Fromont holen mit riesen Schritten auf. Die Weißen durch die Bank mit tiefer, zungenschnalzender Mineralik. Der rote Trousseau vielleicht das präziseste, was man in diesem Jahrgang aus der Rebsorte im Jura findet. Killer!

 

Alle Weine findet Ihr über die LINKS zu den Domainen im TXT. Ich habe auch eine Auswahl von 12 Weinen getroffen die ich für ganz besonders empfehlenswert halte. So das das Glück noch weniger Klicks entfernt liegt.

 

So, jetzt seit Ihr dran!

 

 

 

Viel Spaß beim entdecken & erschmecken

 

 

 

Alex

 

12er Discovery Box

Eine Auswahl aus allen neuen Weinen die ich für besonders Lohnesnwert halte!

JURA - Domaine des Marnes Blanchs

1 x "2018er Chardonnay "Les Molates""

1 x "2018er Savagnin "Les Molates""

1 x "2018er Trousseau"

AVEYRON -Domaine  Nicolas Carmarans

1 x "2018er Selves "

1 x "2018er Mauvais Temps IGP Aveyron"

BURGUND - Domaine de la Cadette

1 x "2018 Bourgogne Vezelay "Les Angelots""

1 x "2017 Bourgogne rouge"

LOIRE

1 x "2017er Les Moyens du Bord"

1 x "2018 Chenin mechant"

1 x "2018 100% Pineau d'Aunis"

SIZILIEN - Lamoresca

1 x "2018er Lamoresca Rosato"

1 x "2018er Nerocapitano"

219,00 €

24,33 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

#107 - Route 66 (Rousillon revisited)

Wein aus Frankreichs wildem Süden wieder frisch auf Lager! Von der Domaine Clot de Origine  besonders zu empfehlen ist der Trouble fait. Das Beste was einem Muskat a petite grain passieren kann, ist eine kurze Maischegärung. Skin on Skin. Let the fun beginn! Der Trouble fait ist ein enorm versatiler Partner, vor allem zu rohen Fischgerichten scheint er tonisch-aromatisch schön. Aber auch ohne alles entäuscht er nicht.

 

Von Wilfried "Wildfire" Walats La Nouvelle Donne gibt es wieder den fruchtig-straighten La Nouvelle vague,einen Carignan basierten avantgardistischen Rotwein; sowie die herausragenden Weißweine Neo Nervis (Macabeu) und Mustango (Grenache gris & blanc). Aus Banyuls kommen die Weine von Laurence Manya Krief und Ihrer Domaine Yoyo. Das sind Weine mit echter Patina - sie gehören mit zum Besten was Jahr für Jahr aus der Region kommt. Keine leicht verständlichen Tropfen, aber flüssige Landschaft und pure Emotion.

 

Der bescheidene Zenmeister des Grenache ist Jean Francois Nicq von seiner Domaine de Foulards rouges! Ein "Influencer" der besonderen Art, der bereits Eric Pfifferling lehrte Wein zu machen und im Prinzip der gesamten Riege des katalanischen Weines ein augenzwinkernder Sugar Daddy ist. Gebürtig aus Frankreichs hohem Norden übrigens.  Heute keltert er "einfache" Trinkweine - und das ist die Schwierigste aller Aufgaben.  Im Süden selten ereichte Frische und Präzision selbst in einem komplizierten Jahrgang wie 2018. Durch die Bank alles empfehlenswert in diesem Haus. Chapeau Jean Francois!

 

Zu guter letzt der aufsteigende Stern der Region. Das japanische Pärchen Rie & Hirofumi Shoji, die aus einem außergewöhnlichen, sehr hoch gelegenen Weingarten einen der elegantesten Grenache des Südens keltern. Die Domaine Pedres Blanques sollte von allen Weinliebhabern ganz genau betrachtet werden. Mit dem zweiten Jahrgang wird der Wein trotz wiedriger Umstände nochmals eleganter als das Erstlingswerk. Die Arbeit in den Weinbergen wird erst richtig in 3- 4 Jahren zu spüren sein. Ganz außergewöhnlicher Wein!

 

Untenstehend wieder zwei Pakete! Ein Kennenlernpakt und eine Vollaufladung. Natürlich können über den Link auch alle Weine einzeln bestellt werden.

 

Viel Spaß beim entdecken & erschmecken!

 

Alex Zülch

 

 


#106 - More de Moor!

Die Weine der Domaine Alice & Olivier de Moor sind wieder auf Lager! Vorwegschicken darf ich, dass die Mengen sich mit dem Jahrgang 2018 entspannen werden und ich nach Jahren des Mangels auf gute Mengen zugreifen werden darf. Und jetzt noch mehr gute Neuigkeiten...

Mit dem Jahr 2017 konnten Alice & Olivier de Moor zwei 1er Cru Parzellen erstehen. Hinter der kleinen Ortschaft Chablis erheben sich die sieben weltberühmten Grand Cru Lagen. Im Westen schließt sich daran der nicht weniger bekannte Montee de Tonnere an; folgt man der Straße weiter in Richtung Fleys liegt zur Linke der Monte de Millieu - hier finden wir die erste der zwei neuen Parzellen. Auf Kimmeridge Kalkstein stehen die alten Chardonnay Reben in südöstlicher Richtung. Teile dieses unter Kennern sehr beliebten etwa 35ha umfassenden 1er Cru wiederstanden dem großen Frost von 1956, dem damals ein Großteil der Reben im Chablis zum Opfer fielen. Die Parzelle hier ist seit einigen Jahren biologisch bewirtschaftet und der Deal ist, das Alice und Olivier den Besitzern einen Teil der Trauben abtreten. Dies wird als Méteyage bezeichnet. Der Wein ist feinzieseliert, ausgeglichen und profund. Dank eines ständigen leichten Windes können die Trauben gerade zur Erntezeit perfekt ausreifen ohne einem hohen Krankheitsdruck ausgesetzt zu sein. Kristallklare Chablisexpression.

Etwas weiter im Norden, eigentlich direkt im Tal hinter Courgis nahe Poinchy gelegen, befindet sich die zweite Parzelle - der 1er Cru Vau de Vey! (Foto oben) Diesen Weingarten konnten Alice & Olivier de Moor komplett übernehmen und haben mit dem ersten Jahrgang angefangen die Reben auf biologischen Anbau umzustellen. Der Boden wird sicherlich Zeit brauchen, um in Balance zu kommen und den schönsten Ausdruck im Wein wiederzufinden. Trotzdem ist diese sehr steile Lage der absolute Stolz der beiden Ausnahmewinzer und wenn man die kargen Kimmeridgkalkböden empor kraxelt, kann man nachvollziehen warum. Die Reben werden von Olivier hier mit einem alten Raupenfahrzeug bearbeitet. Bei mir kam ein gewisses "Moselfeeling" auf. Der Wein zeigt sich mit eleganter Zurückhaltung und steinigem Schmelz. Fokussiert, dicht und lang am Gaumen.

 

Daneben kommt von den Vendageurs masque ein Riesling aus dem Elsaß, sozusagen ein Steinwurf vom Chablis entfernt. A un jet de Pierre - de Moor Style! Außerdem der Bourgogne blanc mit einem Anteil von Trauben aus dem Maconnais, wie im Jahrgang zuvor. Herausragender weißer Burgunder.

 

Dieses mal kein Paket. Die Weine können frei zusammengestellt werden und sind limitiert.

#105 - Springtime (NEUE WEINE!)

Endlich sind wieder neue Weine auf Lager gekommen und das nicht zu knapp.

 

Ich habe mich im Muscadet umgeschaut; der Region im Westen Frankreichs um die Stadt Nantes. Hier mündet die Loire in den Atlantik. Von Complementerre waren bereits einmal Weine im Angebot; ich bin sehr froh euch wieder etwas aus dieser Mikroproduktion anbieten zu können. Außerdem neu, die Weine von Vincent Caillé und seiner Domaine Faye d'Homme.

 

Wieder frisch auf Lager die genialen Trinkweine von Domaine La Grange aux belles, allen voran der La Chausse rouges! Domaine Bertin-Delatte mit dem L'Echalier und ihrem wunderschönen petillant naturel "Sautillant". Benoit Courault, vor allem in Magnum für Kenner und Liebhaber. Clement Barraut der Chenin Mönch aus Savenniers bereichert uns auch wieder mit seinen ganz eigenständigen Weinen von den sandigen Böden der gegenüberliegenden Loireseite. Weiter flussaufwärts, sind die lebensfrohen Weine von Herve Villemade wieder auf Lager. Man muss einmal einen Romorantin probieren - eine dieser raren Rebsorte, die die Vielseitigkeit des Weinbaus aufs Feinste wiedergeben. Einen kleinen Rest vom Rosé aus 2017 hat es auch noch; zeigt sich besser als die jungen Rosés die jetzt auf den Markt geschmissen werden, nach meinem dafürhalten. Von Noella Morantin gibt es neue Weine wie den roten Tango Atlantico oder ihren Aligote L'effet mer, eine Mikromenge Chez Charles konnte ich auch ergattern und natürlich ihren großen meditativen Sauvignon blanc "LBL". Auch in der Magnum!

 

Aus dem Beaujolais sind die Weine der Familie Descombes wieder auf Lager. Sowohl vom Großmeister Georges Descombes selbst, als auch von seinem Sohn Keke Descombes. Das sind wunderbar hedonistische Gamays die mit gehöriger Eleganz daherkommen. Guter Morgon! Aus dem Julienas von der exponierten Lage Vayolette kommt der "JU" von Fred Navennec. Eine Entdeckung.

 

Von der Rhone habe ich ganz tolle "Einsteiger" der Domaine Clos des Mourres ergattert. Die Weine Pompettes blanc, Pompettes rouges (Coup de Coeur mit der autochtonen Rebsorte Aubun!), sowie A Table (100% Syrah) und Novice (classic GSM blend - Grenache; Syrah, Mouvedre). Außergewöhnlich der neu Weißwein 665 jours aus Grenache, Clairette & Bourbolenc. Ein spektakulärer südfranzösischer Weißwein in limitiert Menge von nicht mal 1000 Flaschen.

 

Aus dem Languedoc konnte ich noch eine Restmenge des äußerst erfolgreichen Cypres de toi (so nah bei dir) von der Domaine Fond Cypres bekommen. Endlich auch wieder die Weine von Mas Coutelou (LA CLASSE), der mit seinem La Vigne Haute einen enormen Languedoc Syrah mit viel Nordrhoneblut presentiert. Der stille Yannick Pelletier keltert in 2016 wahrscheinlich seinen schönsten Jahrgang ever, pur und nahe an der Frucht, ohne auf matière verzichten zu müssen. Sein Einsteiger "L'Oiselet" ist ein Paradebeispiel für einen authentischen südfranzöischen Wein. Neu im Angebot auch sein Weißwein "Le Blanc" mit hohem Anteil der authochtonen Terret Traube.

 

Über die Spitzendomainen wie Antoine Sanzay, Alice et Olivier de Moor, Belluard oder Labet hinaus, biete ich euch eine herausragende Auswahl an hochwertig-handwerklichen, eigenständigen, ausdrucksstarken und lebendigen Weinen weit ab der konfektionierten Massenware. Ich hoffe ihr vertraut mir und kostet euch auch eine wenig durch diese Entdeckungen und Wiederentdeckungen!

 

In diesem Jahr haben mich nämlich häufig bereits die "Einstiegsqualitäten" begeistert, so das ich eine ganze Menge dieser tollen Tropfen anbieten kann. Im Laufe des Jahres werden weitere dieser Weine folgen und ich habe auch noch 2-3 "Überraschungen" in der Hinterhand... aber das braucht, wie guter Wein, vor allem eines... Zeit!

 

Für das Frühjahr habe ich unten stehend zwei Probierpakete geschnürt. Mit den Links im Text kommt ihr zu den Domaineseiten, wo ihr mehr Infos findet und euch die Weine auch individuell zusammenstellen könnt!

 

Viel Spaß beim entdecken & erschmecken

 

Alexander Zülch

 

#104 - Fare un giro (Italia)

Einen Ausflug machen! Italienreise. Frühlingserwachen. Im Süden zeigt sich nach düsteren, kargen Tagen das erste Grün an den Reben. Zeit des Aufbruchs, der Hoffnung, des Neuanfangs... Vecchia valigia come va?!

In der Ferne glühen die Spitzen der schneebedeckten Alpen, während ich mich unter den Arkaden der Piazza Castello mit Espressi stärke. Eine ganz eigene Renaissance für die Papillen des im Alltag Frankreichreisenden. Gestern habe ich die Tenuta Grillo besucht. Guido Zampaglioni und seine Frau Igiea machen außergewöhnliche Weine in der Region Alto Monferrato im Piemont.

Von natürlich bewirtschafteten Weingärten auf steinig-sandigen Böden keltern sie Weine, die erst nach mehreren Jahren Flaschenreife in den Verkauf kommen. Es sind Weine die in der Zeit geboren werden, und die die Schattierungen der Reife in sich tragen. Weine die Patina wagen und nach außen tragen. Dabei sind sie direkter und ungestümer als so mancher konfektionierte Piemonteser. Darin liegt eine rare Schönheit und für mich zugleich ein Leitmotiv authentischer italienischer Weine.

 

Über enge, von Natursteinmauern gesäumte Wege knattert der Fiat Punto hinab ans Meer. Kleines Mittagsmahl mit frittierten Meeresfrüchten und einem exzellenten mazerierten Frizzante von der Tenuta Croci aus den Bergen des Hinterlandes. Hier mag man alt werden, fernab vom weltlichen Getümmel. Unter einem Strohdach in der Sonne sitzend das immer wechselnde Blau des Meeres beobachtend. Aber es geht weiter in Richtung Süden...

©Decanter                                                                                                                                                                                   ©Silvia Donati

In der Toskana ist es schwierig Weine zu finden die nicht von der Mode(rne) erfasst wurden. Massa Vecchia ist so ein Beispiel. Die Weine von Massa Vecchia sind direkt, unmittelbar und ehrlich, wie ein gutes bäuerliches Produkt. Gleichzeitig tragen sie eine Finesse, Eleganz und innere Balance in sich, die den Genuß nochmals steigern.

 

Ähnlich rar sind die Weine von Altura Vigneto die auf der kleinen Isola di Giglio entstehen. Ein Granitfelsen der sich zauberhaft vor der Küste im thyrrenischen Meer erhebt und wo es nach Salz und Wildkräutern riecht. Auch hier ist alles Handarbeit. Im Keller darf der Wein "werden" und von der urwüchsigen Umgebung und dem Jahr berichten in dem die Trauben gewachsen sind.

Über einen Abstecher in eine andere, ebenfalls von der Zeit vergessenen Region in Kampanien, der Alta Irpinia geht es weiter nach Sizilien - der Kornkammer Roms. Filippo Rizzo keltert hier auf seinem Weingut Lamoresca außerordentlich feine süditalienische Weine auf Basis der Frappato - Traube. Sein von mir sehr geschätzer Rosato wurde von einer Kundin neulich als Poulsard des Südens bezeichnet. Dem bleibt nichts hinzuzufügen...

Mit blassem Kaminrot im Gesicht sitze ich einige Tage später am Tisch von Angiolino Maule, dem Padrino des italienischen Naturweins, auf seinem Weingut La Biancara im Veneto. Wir reden über die Animierung des Bodenlebens, das Aufbrechen der Monokultur und dem Erreichen einer natürlichen Balance zwischen Pflanze und Boden. Wir unterhalten uns über die Sensibilität des Weinmachers, der sich jedes Jahr neu auf seine Arbeit einlassen soll und durch Erfahrung und Aufmerksamkeit lernt die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu tun.

Ich nippe genüsslich an meinem Glas mit dem frischen Wein der Garganega Traube. Die Lebendigkeit der Böden und die ursprüngliche Energie des Vulkangesteins spürt man bereits in Angiolino Maules Einstiegswein I masieri, der mich persönlich besonders begeistert. Ich packe mir vorsichtshalber einen Karton für die Rückreise ein, um "meinen Sonnenbrand zu kurieren".

 

Auch für euch habe ich zwei Kartons geschnürt. Zur liquiden Erbauung aus dem Land in dem die Zitronen blühen...

 

Carpe diem!

 

 

Alexander Zülch

#103 - Domaine Antoine Sanzay

EARL Antoine SANZAY 19 Rue des Roches Neuves 49400 VARRAINS

Mittlerweile ist Anton Sanzay auch bei uns in Deutschland kein Unbekannter mehr. Er präsentiert uns herausragende Weine aus der Region Saumur-Champigny an der majestätischen Loire. Einem der schönsten Flüsse Frankreichs. Extrem ausdifferenzierter Cabernet franc mit feinstem Tannin. Jedes einzelne seiner Terroirs bringt Weine mit unverwecheselbarem Charakter und eigenständiger Persönlichkeit hervor!

Der Saumur-Champigny "Domaine" ist schlicht DER Wein von Antoine Sanzay und einer der besten Einsteiger, um hochwertigen Cabernet franc kennenzulernen. Tiefes, dunkelbeeriges Bouquet mit frischem Antrunk und geschmeidigen Tanninen. Ehrlich auf die bestmögliche Weise!

 

Mein Lieblingswein seit Jahren ist der Saumur-Champigny "La Haye Dampierre" - ein feingliedriger, ätherischer Cabernet franc mit noblem Rebsortencharakter und blauen Blütennoten. Diesem Wein steht ein wenig Reife gut zu Gesicht und er will entdeckt und erobert werden.

 

Der Saumur-Champigny "Les Terres rouges" stammt von besonders eisenhaltigen Böden und ist ein expressiver, reifer und tiefer Charakter. Das Tannin hat einen enormen Grad an Finesse. Die Weine werden in großem Holz und vor allem in Betontanks ausgebaut. Daher spüren wir hier den puren Gerbstoff der Traubenhaut und der reifen Kerne, der sich über den Ausbau langsam harmonisieren und verfeinern konnte.

Der Les Salles Martin rouge ist der salzig-tonischste Cabernet franc aus der Linie. Sehr spannungsgeladen und kristallin, wie auch der herausragende Chenin blanc aus der gleichen Lage jährlich eindrucksvoll beweist. Der erhabene Les Poyeux aus dem Jahr 2016 steckt voller Konzentration. Das Extrajahr im kleinen Holzfass hat dieser  mächtige Wein gebraucht. Kraftvoll und ruhig gleitet er dahin. Ein Wein zum meditieren.

 

Ich habe die Weine von Antoine Sanzay bewußt in zwei Paketen zusammengefasst. Ich finde wirklich sie sind es wert gemeinsam entdeckt zu werden! Dabei kann man sie sowohl im Vergleich, aber sollte sie unbedingt auch einzeln für sich verkosten.

 

Auf diese Weise erschließt sich die Vielfalt der faszinierenden Rebsorte Cabernet franc und das Talent und Feingspür dieses Ausnahmewinzers.

 

Ich wünsche viel Spaß und freue mich auf  euer Feedback!

 

Mit genußvollen Grüßen

 

Alexander Zülch