NEWSLETTER 2021

#139 - Jura Roundhouskick

Die verschlafene Region im Osten Frankreichs ist der absolute Hotspot für Naturweinfreaks. Zurecht! Das Qualitätsniveau ist hier im Durchschnitt außergewöhnlich h0ch. Leider hat es die WinzerInnen in der letzte Woche durch Frühfröste hart erwischt, wie auch in anderen Regionen Europas. In Arbois rechnet man zum Beispiel mit bis zu 90% Ernteeinbußen. Ein Winzer sagte mir - "Wir wissen das es wenig (Wein) werden wird, wir wissen nur noch nicht wie wenig!"

 

Das wird in Zukunft die hohe Nachfrage noch zusätzlich verschärfen. Für einige Präziosen der Region findet man seit geraumer Zeit Spekulations- bzw. Fantasiepreise. Das ist ein trauriger Trend, der von der Einzigartigkeit der Weine der gesamten Region ablenkt. Natürlich gibt es auch im Jura Schattenseiten, auch in einer Region mit hohem Qualitätsniveau ist eine präzise, stringente und professionelle Auswahl der Schlüssel zum Genießerglück.

 

Daher habe ich heute eine Auswahl an herausragenden Domainen zusammengestellt - Kultwinzer und rising stars! Es ist spannend das zusammen zu verkosten. Aus dem Norden der Region um Arbois (Domaine de la Borde, Domaine Bruyere-Houillon) und aus dem südlichen Zipfel des Sud Revernmont (Domaine des Marnes Blanches, Domaine Labet). Juraweine in Weiß mit dem Fokus auf Savagnin und den typischen zart-oxidativen Noten. Rotweine des Jura aus dem feingliedrigen Poulsard (oder Ploussard in Pupillin) und der vollfleischigen Trousseau (einer meiner Favoriten). Dazu noch eine kleine Probe mit Pinot Noir, der zugreisten Rebsorte. Hier im Vergleich mit Pinot Noir aus dem Burgund, dem Elsass und der Champagne.

 

Ich denke, das ist ein absoluter Jura Roundhouskick. Die Pakete sind leider stark limitiert - außer für Chuck Norris natürlich! Am Freitag den 16/04 um 12.00h gehen dann die neuen Weinen von Domaine Bruyere-Houillon und ganz wenig von den 2019er Rotweinen von Domaine Labet online. Einfach den Links zu den Domaine folgen - ich stelle das dann online.

 

Zunächst aber viel Freude mit diesen wahren Entdeckerpaketen!

 

Alexander Zülch

 

 

JURA WEIßWEINE

Ein 6er Paket mit folgenden Flaschen:

 

2019 Savagnin "En quatre vis" - Domaine des Marnes Blanches

2018 Savagnin "Aux Bois" - Domaine des Marnes Blanches

2018 Chardonnay "Fleur" - Domaine Labet

2018 Chardonnay "La Mercette - Domaine de la Borde

2018 Foudre A Canon (Savagnin) - Domaine de la Borde

2017 Chardonnay (Croix rouge)  / Savagnin (Tourillons) - Domaine Bruyere-Houillon

 

177,50 €

39,44 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

JURA ROTWEINE

Ein 6er Paket mit folgenden Flaschen:

 

2019 Trousseau - Domaine des Marnes Blanches

2019 Poulsard - Domaine des Marnes Blanches

2019 Trousseau - Domaine Labet

2019 Ploussard de Feule - Domaine de la Borde

2019 Trousseau Sous la Roche - Domaine de la Borde

2018 Ploussard/Trousseau - Domaine Bruyere-Houillon

 

171,00 €

38,00 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

PINOT PROBE

Ein 6er Paket mit folgenden Flaschen:

 

2018 Pinot Noir - Domaine des Marnes Blanches / JURA

2019 Pinot Noir - Domaine Labet / JURA

2019 Pinot Sous la Roche - Domaine de la Borde / JURA

2019 Coteaux Bourgignons - Domaine Renaud Boyer / BURGUND

2019 Pinot Noir "Vieilles Vignes" - Domaine Rietsch / ELSASS

2019 LP Les Pinots Côteaux Champenois - Domaine Bourgeois Diaz / CHAMPAGNE

 

152,50 €

33,89 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

#138 - Junges Deutschland ins Glas!

Christoph  & Alex @ Wasenhaus
Christoph & Alex @ Wasenhaus
Johannes & Christoph Schneider @ GUPI
Johannes & Christoph Schneider @ GUPI
Monsieur Loup @ Weingut Wolf
Monsieur Loup @ Weingut Wolf

Es ist jede Menge Bewegung im eher müden deutschen Weinbau. Eine handvoll befreiter und weltoffener WinzerInnen geht die richtigen Wege hin zu einem natürlichen Weinbau und einem Ausbau ohne Zusatzstoffe. Ein Newsletter für mehr Vielfalt im Geschmack, für mehr Charakter bei Entscheidungen und für mehr Freiheit beim Genuß.

 

Untenstehend ein Entdeckerpaket mit allen neuen Weinen. Die Weine können auch einzeln bestellt werden. Dazu einfach den Links zum WEINGUT WASENHAUS; WEINGUT DENNIS WOLF; WEINGUT AM SCHLIPF/HAUS GUPI folgen. Dort findet Ihr auch mehr Infos über Winzer & Wein.

 

Viel Spaß beim entdecken & erschmecken.

 

Entdeckerpaket "Junges Deutschland"

Ein 6er Paket mit je einer Flasche:

 

NV Cuvee Kurt Weingut Wolf Pfalz

2018 Riesling Weingut Wolf Pfalz

2018 Riesling  "Kirschgarten" Weingut Wolf Pfalz

2020 Grand Ordinaire Weingut Wasenhaus Baden

2019 La Boheme Haus GUPI Baden

2019 Gres Rose Haus GUPI Baden

 

110,00 €

23,16 € / L
  • leider ausverkauft

#137 - Muscadet, my love! Viel besser als man glaubt...

Ausbringung des biodynamischen Hornkiesel 501
Ausbringung des biodynamischen Hornkiesel 501

Tief im Westen, wo die Loire in den Atlantik versinkt, liegt nahe der Stadt Nantes das Muscadet. Seit ich das Muscadet besucht habe, bin ich davon begeistert. Ich hatte nicht gedacht, dass diese Region, die mir immer als belangloser Wein zu Austern präsentiert wurde, solch eine Vielfalt an Terroirs bereit hält; solch ein Potential an alten Rebbeständen aufzuweisen hat und dazu auch noch eine ganze handvoll charakterstarker Winzer bereit hält, die gegen die Verramschung ihrer Region als Supermarktwein antreten.

Le Faye d'Homme - Vincent Caillé

Vincent Caillé ist einer von Ihnen und seine Weine haben für mich bei vielen Verkostungen besondere Strahlkraft bewiesen. Lebendige Weine von lebendigen Böden, das spürt man sofort. Dazu noch eine sanfte Hand im Ausbau der Weine und zum Teil eine außergewöhnlich lange Zeit der Reife. Den Lagenweine "Gorges" gibt es nur in besonderen Jahrgängen und er wird zwischen 24 bis hin zu 48 Monaten auf der Hefe ausgebaut. Das sind die klassischen "sur lie" Weine auf die Spitze getrieben.

 

Aber bereits die Terroirweine von Reben, die im Durchschnitt 60 Jahre alt sind, begeistern mit viel Stein - sei es Gneiß, Orthogneiss oder Gabbro. Letzteres ist ein basaltisches Magma das durch langsames abkühlen in tiefe Schichten entstanden ist und eine Besonderheit der Region darstellt. Die vorherrschende Rebsorte des Muscadet ist die Melon de Bourgogne. Daneben ist Folle Blance aka Gros Plant zu nennen, die wahren "Saufweine" der Region.

ComplemenTerre - Marion Pescheux & Manuel Landron

Nicht weit von Vincent Caillé entfernt kultivieren Marion Pescheux und Manuel Landron 8 ha Weingärten auf natürliche Weise.  Manuel ist der Sohn von Jo Landron, einem der bekanntesten Winzer der Region. Die elterliche Domaine schien den beiden aber viel zu groß; sie wollten etwas "Kleineres"; ein Weingut, bei dem sie selbst noch aktiv im Weinberg arbeiten können!

Jo Landron unterstütz die beiden in ihren Bestrebungen und selektierte für Sie alte Weinberge (Durschnitt 40 Jahre, teils selection massale, 7000 Reben/ ha) auf herausragenden Terroirs wie Orthogneiss, Gneiss, Gres (Sandstein) und Amphibolit. Das sind mit den raren Gabro auch die fünf prinzipiellen Böden, die wir in der Region finden.

 

In den Weinen spürt man sofort die Vitalität der Weinberge, die bei den Winzern ganz eindeutig die Stars sind. Handlese in kleine Kisten, schonendes Pressen, Spontanvergärung, lagengetreue Vinifikation und Ausbau über 5 bis 10 Monate in Holz und Edelstahl. Teilweise auch in Betonei, Amphore oder Keramik. Die Weine werden ohne Zusatzstoffe hergestellt, lediglich eine kleine Menge Schwefel (15mg/L bei der Füllung) wird zur Stabilisierung eingesetzt. Die Winzer sind nicht dogmatisch, wenn es nötig erscheint, würden sie  einzelne Fässer auch filtrieren oder etwas mehr Schwefel geben. All dies allerdings mit viel Bedacht!

Untenstehend für den heutigen Newsletter das Muscadet-Entdecker Paket zum Vorzugspreis. Die Weine können auch einzeln gekauft werden! Die Weine von ComplemenTerre sind bereits auf Lager (Ende März verkoste ich den neuen Jahrgang); die Weine von Vincent Caillè sind am Dienstag auf den Weg zu uns gegangen. Versand ab 17/03.

 

Überzeugt euch selbst, dass hier außergewöhnliche Qualitäten zu mehr als sympathischen Preisen entstehen!!!

Muscadet - Entdecker Paket

Ein salines 6er Entdeckerpaket von den Böden des Muscadet in handwerklicher Perfektion natürlich ausgebaut:

 

2 x 2019 Muscadet "Le Seigneur" | Vincent Caillé | Gneiss

2 x 2019 Muscadet "La Croix Moriceau" | ComplemenTerre | Orthogneiss

1 x 2018 Muscdet "Fief des Coteaux" | Vincent Caillé | Gabbro

1 x 2018 Muscadet "Gorges" Cru Communaux | Vincent Caillé | Gabbro

 

79,50 €

  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

Alle Weine aus dem Muscadet auch einzeln!

2019 Muscadet "Le Seigneur"

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Melon de Bourgogne
Terroir : Gneiss

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

"Mit 2019 heißt der Einstieg in die Terroirlinie von Vincent Caillé einfach "Le Seigneur"! Enormer Ausdruck und feinster Trinkfluss. Viel feinster Wein zu fairem Preis aus biodynamischem Anbau."

 

12,50 €

16,67 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2018 Muscadet "Fief des Coteaux"

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Melon de Bourgogne
Terroir : Gabbro

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

 "Von den Terassenlagen mit bereits einem Jahr mehr Flaschenreife! Die Weine profitieren enorm davon. Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen. Die 2018er sind extrem gut balanciert und schmackhaft. Aus der Linie von Vincent Caillé ist es dieser Wein, den ich jetzt trinke!"

 

12,50 €

16,67 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2018 Muscadet "Gorges" Cru Communaux

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Melon de Bourgogne
Terroir : Gabbro

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

 "Die Gemarkung "Gorges" ist eine der ältesten Cru Communaux! Hier finden wir die raren Gabbro Böden (nur 3% Gabbro in der Region) vulkanischen Ursprungs. Die über 24 Monate Ausbau, zum Teil im Betonei, bringen einen dichten und seidigen Wein hervor. Kristallklarer Schmelz und mineralischer Zug am Gaumen."

 

23,50 €

31,33 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2019 68 ares

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Folle blanche
Terroir : Sandböden

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

"Ein feiner Trinkwein aus der rustikalen Folle blanche (Gros Plant) mit 10,5% Alk. - erfrischend wie ein dutzend Austern am Morgen!"

 

Allergenhinweis: enthält Sulfite, Alkoholgehalt 12% vol

12,90 €

17,20 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2019 Muscadet "La Croix Moriceau"

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Melon de Bourgogne
Terroir : Orthogneiss

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

"Genialer, ursprünglicher Muscadet mit bekömmlicher Säure und mineralischem Schmelz vom Orthogneiss! Bester Begleiter zur Meeresfrucht. Gerne dekantieren!"

 

11,90 €

15,87 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2018er NoLem

 

Weinart: Weißwein / vin nature

Geschmacksrichtung: trocken

Rebsorten:  100% Melon de Bourgogne
Terroir : Gres und Orthogneiss

Speiseempfehlung: Praire farci - Venusmuscheln mit Petersilienknoblauchbutter!

 

Vins Vivants Verkostungsnotizen:

"Ein Wein aus zwei Parzellen (Landes & Ratelle), ausgebaut im gebrauchten Holzfass! Die Ausnahme zur Regel, dass die Weine lagengetreu ausgebaut werden. NoLem steht für Melon - also Melon de Bourgogne - und ist ein Vin de France. Da der Milchsäureabbau nicht blockiert wurde, der Wein spontan ohne Temperaturkontrolle und mit den natürlich Hefen gären durfte, fällt er ein wenig aus dem "gewohnten" Profil der Region und bekam daher nicht den AOC Status. I don't care, I love it!"

 

Allergenhinweis: enthält Sulfite, Alkoholgehalt 12% vol

14,90 €

19,87 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

#136 - Konni & Evi (Unbekanntes Deutschland)

#135 - Roussillon Original!

Val d'Agly ©Hilke Mauder
Val d'Agly ©Hilke Mauder

Marc Barriot keltert auf Clot de l'Origine seit annähernd 20 Jahren bodenständige, ausdrucksstarke und lebensfrohe Trinkweine par excellence. Seine großen Weine und die aufgespriteten Spezialitäten sind absolute katalanische Originale.

 

Die Weingärten seiner 10 ha großen Domaine liegen weit verstreut in den Kommunen des wilden Roussillon in den Tälern der Pyrenäen. Knorzige Rebbestände (teils über 100 Jahre alt) auf unterschiedlichen Terroirs dominiert vom Schiefer. Die am weitesten gelegenen Weinberge sind  über 50 km voneinander entfernt.

 

Die Arbeit im Weinberg war von Beginn an auf den biologischen Anbau konzentriert. Der Boden steckt voller Leben. So etwas sieht man selten in dieser kargen Region. Es wird vieles von Hand gemacht und die Reben mit selbst hergestellten Tees und Pflanzenauszügen vor Krankheiten geschützt. Ausgewählte Parzellen werden mit dem Pferd bearbeitet. Im Keller ist ein kontrolliertes Nichtstun angesagt, mit dem Ziel den feinen und puren Ausdruck der Frucht in den Weinen zu bewahren.

Nach ein paar "experimentellen" Jahren mit seinem neuen Merlot Weinberg hat Marc mit 2019 endlich wieder das richtige Gleichgewicht für den L'Original gefunden. Für mich soll dieser Wein ein klares Macabeu-Profil haben und in den Vorjahren ging das ein wenig verloren. Also hier die Rückkehr einer meiner Lieblingsweine von Marc Barriot. Mit 12 %vol.  Alkohol ein wahres Leichtgewicht aus dem heißen Süden. Geschmackig, trinkig und ursprünglich!

 

Bei der Vergärung ganzer weißer Trauben hat Marc Barriot für mich Meisterschaft erreicht. Wenn wir über trinkig-tonischen Orangewine reden, braucht man nicht mehr als den Le Trouble fait. Appetitanregendes  zungenschnalzen garantiert!

 

Die feinsten Weine von Marc gehen mit der Freude an seinen Einstiegsweinen meist etwas unter. Zu Unrecht wie ich finde. Die Quilles libres sind hochelegante und tiefe Weine aus Grenache blanc, gris & noir. Sie präsentieren sich mit einer im Süden selten erreichten Eleganz.

Ganz besonders sind der Dessertwein 2017 AOC Maury und der oxidative 2016er Rancio sec! Beide von den ältesten Parzellen der Domaine auf schwarzen Schieferböden. Der Maury ist ein reinsortiger Grenache noir der auf den Schalen mit Bioalkohol aufgespritet wurde (muté sur grain), wie man das auch bei Banyuls oder Portweinen macht. Das Risiko dieser Methode liegt darin, dass es schwieriger ist die Gärung zu stoppen, als im gärenden Saft alleine. Allerdings integriert sich der Alkohol geschmacklich auffallend besser in den Weinen.

 

Die Technik des oxidativen Ausbaus fasziniert mich schon lange; sei es Vin Jaune, Sherry oder eben die Rancios aus dem Roussillon (Katalonien). Das sind einfach geniale Geschmackserlebnisse, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Ich genieße die Rancios gerne zu feinstem Jamon Iberico und ein paar gesalzenen Mandeln. Der Rancio wird nach dem selben Prinzip hergstellt wie der Maury, allerdings mit den weißen Trauben Grenache gris, blanc und Macabeu. Bei Marc Barriot darf er außerdem für weitere 4 Jahre oxidativ in einem 225L Faß bei Wind und Wetter im Freien die ihn umgebende Natur aufsaugen.

 

Marc Barriot keltert lebendige Weine, die sich nicht verstecken müssen und unverfälscht von ihrer Herkunft berichten - Roussillon Originals eben!

 

 

Unten habe ich ein Entdeckerpaket geschnürt. Die Weine können auch alle einzeln gekauft werden.

 

Viel Spaß beim entdecken, wieder entdecken und wieder wieder entdecken...

 

Alexander Zülch

#134 - Savennières = Chenin blanc!

Savennieres ©P. Caharel
Savennieres ©P. Caharel

Ich liebe den Geruch von Chenin blanc am Morgen...

 

Und Chenin blanc vom Schiefer ganz besonders. Wie hier in den Weingärten von Savennières. Dieser  etwa 160 ha kleinen Appelation am Nordufer der Loire. Westlich von Angers erhebt sich das amorikanische Massiv auf schwindelerregende 30 bis 70 m NN. Es scheint nicht hoch, dennoch hat man von hier oben einen erhabenen Blick über das Anjou.

 

In den Terassen haben die Mönche der Abbaye de Saint-Nicolas de Angers ab dem 7. Jahrhundert begonnen, Weinbau zu betreiben. Besonders in der heute als Cru bezeichneten Lage Roche aux Moines (24 ha) . Der daraus entstandene Wein wurde am königlichen Hof sehr geschätzt. Der "Fels der Mönche"  und die Weingärten des Savenniers wurde mit der Ankunft der Reblaus um 1855 fast vollständig zerstört. Neu bepflanzt wurde dann mit der Rebsorte Chenin blanc (my love) und 1952 erhielt das Savennières den AOC-Status. Dieser wird heutzutage freilich immer unbedeutender, aber ändert nichts am großartigen Terroir!

 

Die Böden im Savennières bestehen aus Schiefersanden mit Venen vulkanischen Ursprungs!

 

Die Weingärten schauen der Sonne entgegen und sind vor den kalten Nordwinden größtenteils geschützt. Die Böden bestehen aus Schiefersanden und das Muttergestein ist oft nur wenige Zentimeter weit entfernt. Hier und da findet man Venen vulkanischen Ursprungs. War das Ausgangsmaterial sauer, so nennt man diese magmatischen Gesteine Rhyolite, war es basisch nennt man sie Spilite.

 

War früher die durch Frühnebel im Herbst begünstigte Edelfäule für den zumeist trocken ausgebauten Savennières ein Problem,  ist es heute die Trockenheit, die den Winzern zu schaffen macht. Das legt den Fokus klar auf herausragende Weinbergsarbeit; so man einen Wein von Weltformat keltern will.

 

Ich möchte euch heute drei herausragende Beispiele für das Winzerhandwerk präsentieren und versuchen euch die Menschen hinter dem Wein und ihre Geschichte ein wenig näher zu bringen. Let's go!

Tessa Laroche - Domaine aux Moines

Tessa Laroche ist die gute Seele des Roche aux Moines. Herzlich, lebenshungrig und nahe bei den Menschen. Eine Grande Dame des Chenin blanc, mit schier unbändiger Energie und klarer Vision.

 

Ihre Mutter, Monique Laroche, hat die Domaine aux Moines im Jahr 1981 erworben. Mit dem sonnigen Jahrgang 2003 hat die gelernte Önologin Tessa die Arbeit hier nach und nach übernommen. Heute führt Tessa das Weingut in Eigenregie.

 

Tatkräftig unterstützt wird sie von einem eingespielten Team hoch motivierter und gut gelaunter Mitarbeiter. Kann natürlich auch sein, dass Freitag Mittag ein guter Zeitpunkt für den Besuch ist; da es ein feines Mittagessen und ein volles Glas Wein gibt ;-) Im Ernst, ein sehr herzliches Team.

 

Das Weingut verfügt über 12 ha Reben in der Lage Roche aux Moines, die im biologisch-dynamischen Anbau gepflegt werden. Der Biodyn-Papst Nicolas Joly wohnt schließlich nebenan und sein Coulee de Serrant ist quasi der Nachbarweingarten.

 

Präziser und sanfter Rebschnitt, aufwendige Laubarbeiten und Erhalt einer vitalen Bodenstruktur sind das Hauptaugenmerk des Arbeitens. Die Weinberge sind im Schnitt über 30 Jahre alt, die ältesten an die 80 Jahre. Es werden auch behutsam neue Weingärten angelegt und zwar in 2010, 2011 und 2012 sowie ein neuerer sehr spannender Plot mit teils kreidehaltigen Böden in 2017, 2018 und 2019.

Die Lese, selbstredend alles selektiv per Hand, findet in normalen Jahren etwa Mitte September statt. Die Trauben werden schonend direkt gepresst. Die jungen Reben werden zum "Le Berceau de Fees" mit einem Ausbau von 12 Monaten im Edelstahl. Im Garten des Anwesen gibt es einen magischen Ort zwischen einer Gruppe sehr alter Bäume, dem Tessa den Namen "Die Wiege der Feen" gegeben hat. Wir finden ihn auch stilisiert auf dem Etikett wieder.

 

Der "Roche aux Moines" stammt ausschließlich von den alten Reben, die tief im Muttergestein wurzeln und hier ihre Mineralien aufnehmen. Der Wein darf über zwei Winter reifen. Ein Teil reift im Holzfass (sehr geringe Toastung ), ein anderer im Edelstahltank.

 

Die Weine sind außergewöhnlich fein und begeistern durch ihrer majestätischen Struktur mit einem sehr puren und sehr filigranen Antrunk. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort und wird durch eine feingliedrige Gerbstoffstrucktur unterstützt. Beide Weine stehen für mich gleichberechtigt nebeneinander!

 

Wir haben das große Glück, die ungeschwefelte und unfiltrierte Version des Berceau de Fees zu bekommen. Das macht diesen Wein wesentlich zugänglicher! Der Roche aux Moines ist im Vergleich ein leiser und subtiler Wein und für mich eine herausragende Expression der Chenin blanc Rebe auf diesem genialen Terroir. Einfach groß.

 

Eine kleine Menge erhalten wir auch von Tessas Rotwein - es ist der letzte Jahrgang dieses Weines, da der Weingarten dem Chenin blanc gewichen ist. Es ist ein seidiger und tiefer Cabernet. Ich will nicht feminin schreiben; unterschreiben würde ich es allerdings schon.

 

Probiert unbedingt die Weine von Tessa. Außergewöhnlich fein.

Eric Dubois - Domaine La Franchaie

Eric Dubois ist ein sanfter und sensibler Mann mit Tiefgang. Nachdenkliche Gespräche werden durch eine spitzbübische Panache erheitert und lassen einen vielschichtigen Charakter voll vitalem Elan und Gutmütigkeit hindurch schimmern.

 

Erics Weingärten liegen im Westen an der Grenze der Appelation beim kleinen Ort La Possonieres. Sie werden als Anjou auf die Flasche gefüllt. Nach dem Verkauf des berühmten Clos Cristal an die "Maschienenmenschen" und dem damit einhergehenden, schmerzhaften Verlust dieses wunderbaren Arbeitsplatzes, hat Eric Dubois sich hier neu gefunden.

 

Mit großen Schritten baut er  sich, unterstützt durch seine Frau, ein neues Renommee auf. Selbstverständlich sind auch seine Pferde mit von der Partie und helfen tatkräftig bei der Arbeit im Weingarten mit.

 

Die Weine tragen klar die Handschrift ihres Machers. Wie beim Arbeiten mit den Pferden hat Eric Dubois es verstanden, sich zurück zu nehmen und dennoch eine starke Präsenz auszustrahlen. Das ist faszinierend und rar.

 

In 2019 hat Eric durch Frost und später durch Trockenheit nur 20% seiner normalen Ernte einfahren können. Daher ist auch der Keller auf den Fotos unten relativ leer. Was ihr seht ist die gesamte Produktion! Ich bin also sehr froh nochmal eine, wenn auch kleine Menge seiner 2018er Weine zu erhalten, um die Durststrecke etwas zu überbrücken. Diese kosten sich gerade auch ganz wunderbar!

Ich möchte euer Augenmerk besonders auf seine beiden Weißweine legen. Die Trauben stammen aus dem selben Weingarten. Der Lapin blanc wurde im Holzfass vergoren, der Seraphin in der Porzellanvase. Danach reifen die Weine ohne weitere Bewegung auf der Feinhefe und werden ohne Filtration und mit minimalem Schwefel abgefüllt.

 

Die Keramikvasen sind die sputnikartigen Gefäße im Bild mitte links. Ich halte das für eine wunderbare Art Chenin blanc auszubauen - da sie sowohl eine unverfälschte und pure Expression fördert, als auch eine Extraportion Spannung auf den Gaumen zaubert. Einzigartige Chenins voller Charakter!

Domaine Clement Barraut

Clément Baraut ist zurückhaltend, strahlt dabei aber eine unglaubliche Präsenz und ruhige Freundlichkeit aus. Seine Weine spiegeln dies wieder. Seine Worte und Handlungen sind wohl bedacht - wie bei einem Zenmönch der die Klostertreppen fegt.

 

Die Weine von Clement sind schon längere Zeit im Shop und wurden im Newsletter #123 vorgestellt. Seine Weißweine stammen alle aus dem Savennières.

 

Der Plot "Le Pitrouillet" ist ein Weingarten der direkt hinter den Terassen des Roche aux Moines liegt. Aus dem sehr kargen Anteil dieses Weingartens, wo die Reben unmittelbar ins Muttergestein wurzeln, keltert Clement Barraut den Le Couteau de l'Ayre, den ich in diesem Kontext besonders hervorheben möchte. Der rauchige Les petites Combes (vormals Les petites coulees) stammt aus dem Roche aux Moines und ist Clement Barrauts großer Wein aus der Lage Roche aux Moines.

Alle Weine aus dem heutigen Newsletter können einzeln gekauft werden. Folgt dazu bitte den Links zu den Weingüter. (Domaine aux Moines, Eric Dubois - La Franchaie, Domaine Clement Barraut)

 

Darüber hinaus habe ich zwei Savenniers - Pakete geschnürt und weil ich finde das die Winzer(in) auch wunderbare Rotweine keltern hab ich es mir nicht nehmen lassen, auch noch ein rotes Entdeckerpaket zu präsentieren.

 

Viel Spaß beim entdecken, erschmecken und genießen!

 

Alexander Zülch

 

#133 - Domaine Noella Morantin

Diese Woche haben wir  neue Weine von Noella Morantin auf Lager bekommen. Ihr Einstiegswein, der 2019er Les Pichiaux ist mit dem neuen Jahrgang viel spannungsgeladener und mineralischer geworden. Viel ehrliche Sauvignon blanc - Frucht, aber stärker unterlegt mit tonischer Frische und Fokus. Genial.

 

Von den alten Reben auf Kalksteinunterlage stammt Noellas Spitzenwein, der 2018er LBL - ein leiser und weiter Sauvignon blanc. Der Wein darf im Keller und auf der Flasche länger reifen und berichtet pur und unverfälscht von seinem Terroir. Groß.

 

Auf den 2019er Chez Charles ( mein Lieblingswein bei Noella) müssen wir noch ein wenig warten. Er hat noch ein paar Gramm Zucker zu verlieren, um dann mit seiner athletischen Form in vollem Glanz am Strand (oder wenigstens zur Meeresfrucht) zu erstrahlen. Geduld.

 

Ich habe erneut eine kleine Menge vom 2018er Tango Atlantico bekommen können, den wildsamtigen Rotwein von Noella Morantin, der so viele von euch begeistert hat. Ein Tanz von Malbec und Cabernet franc mit Meeresrauschen. Gerade bei  diesen kalten Temperaturen ist doch ein vollwürziger und geschmeidiger Rotwein genau das Richtige. Ich denke aber auch, dass dieser Wein für die erste frühlingshafte Grillade perfekt geeignet ist. Gewissheit.

#132 -Domaine Les Foulards rouges!!!

Das Mittelmeer vom Tour de Madeloc aus in Richtung Norden blickend.
Das Mittelmeer vom Tour de Madeloc aus in Richtung Norden blickend.

Ich vermisse es zu reisen! Das Roussillon im Süden Frankreichs ist eine magische Region, deren wilde Schönheit mir besonders fehlt. Da ist es gut, dass neue Weine der Domaine Les Foulards rouges auf Lager gekommen sind, um Gaumen und Herzen zu erfreuen.

Jean Francois Nicq hat 1989 begonnen Naturwein zu machen. Sein Freund der legendäre Weinmacher Eric Pfifferling in Tavel hat das Handwerk von ihm gelernt. Seit mehr als 30 Jahren keltert Jean Francois Weine ohne Zusatzstoffe. Ein wahrer Precursor dieser Art der Weinbereitung.

 

Seit 2002 auf seiner eigenen Domaine Les Foulards rouges in den Pyreneenausläufer bei Montesquieu des Alberes. Mit dem Blick Richtung Norden, hinweg über das tiefblaue Mittelmeer. Mit den Beinen fest in den weichen Granitsanden seiner  aufwendigst gepflegten, lebendigen Weingärten.

 

Der ursprünglich aus dem hohen Norden stammende Jean Francois Nicq ist am glücklichsten, wenn ihm der Tramontana um die Nase weht oder er mit seinem Maultier einen Teil seiner 15 ha umfassenden Domaine bearbeitet. Seine Liebe zu den Menschen drückt sich besonders in der herzlichen und einladenden Offenheit seiner Weine aus.


Seit langem arbeite ich daran, seinen ganz ausgezeichneten reinsortigen Cinsault "Le Fond de l'air est rouge" nach Deutschland zu bringen. Habe ich mit vielen Weinen aus den heißen Regionen zunehmend Probleme - ist dieser seidige Rote von über 80 Jahre alten Reben ein erfrischendes Tonikum. Leicht, voll auf der Frucht, aber dennoch mit mineralischem Zug!

 

Auch der Weißwein La Soif du mal blanc aus Muskat a petit grain, Muskat de Alexandrie und Macabeu ist ein appetitanregender, feiner Trinkwein, den man ob seiner zarten Finesse im Süden gar nicht unbedingt verorten würde. Er passt hervorragend zu Sashimi! Die rote Version, der Soif du mal rouges aus Syrah und Grenache mit längerem Ausbau ein seriöser, würziger Südfranzose. Der Frida stammt aus einem über 100 Jahre alten Weingarten der im gemischten Satz gepflanzt wurde, diese Cuvée hat einen hohen Anteil an Carignan.

Die reinsortigen Grenache der Domaine Les Foulards rouges (Les Glaneurs) erreichen eine einzigartige Eleganz mit zarten blauen Blütennoten und proftieren enorm von einigen Jahren Reife auf der Flasche. Erst dann fangen Sie so richtig an zu singen.

 

Ich habe zwei Pakete der Domaine les foulards rouges geschnürrt; die Glaneur - Vertikale ist limitiert, da ich nur eine Kiste pro Wein und Jahrgang aufbewahrt habe. Ich denke es ist spannend diese Weine im Vergleich zu verkosten. Die restlichen Weine können einzeln bestellt werden - ich empfehle besonders den Le Fond de l'air est rouge - ein südlicher Wein mit nördlicher Frische!

 

Viel Spaß mit den genialen Tropfen der Domaine Les Foulards rouges!

 

Alexander Zülch

#130 - La Biancara (Veneto)

Rares und gereiftes von Angiolino Maule!

Seit 1988 bewirtschaftet Angiolino Maule mit seiner Frau Rosamaria und mittlerweile auch mit seinen Söhnen Francesco, Alessandro, Giacomo und Tomaso die 11ha Weingärten (zusätzliche 4ha werden gepachtet) nach biodynamischen Prinzipien. Besonders Alessandro ( Foto unten links, rechts) zeichnet in den letzten Jahren neben seinem Vater für Weingarten und Weinbereitung verantwortlich. Es ist ein family business.

 

Die Weingärten erheben sich auf bis zu 300m über das Tal, wo leider immer noch mehr (Wein-)Industrie als Handwerk betrieben wird. Bei den Maules strotzen die Weingärten aber vor Vitalität. Das biodynamische Arbeit für mehr als 20 Jahre trägt energiegeladene Früchte. Es gibt eine hohe Variabilität und Lebendigkeit in den Böden vulkanischen Ursprungs. Besonders häufig findet man die Mineralien Eisen, Bor und Mangan, aber besonders beeindruckt der hohe Humusgehalt und das Bodenleben. Es wimmelt nur so von Lebewesen.

Angiolino ist überzeugt das der absolute Verzicht von Chemie im Weingarten und im Keller der natürlichste Weg der Weinbereitung ist! Dabei ist er aber nicht extrem. Wenn die Struktur des Weines in einem speziellen Jahr es verlangt, wird auch mit Bedacht eine kleine Menge Schwefel zum richtigen Zeitpunkt beigefügt.

 

"Keine Chemie im Weingarten und Keller! Das ist für mich der natürlichste Weg." (A.Maule)

 

Es wird seit etwa 2004 mit kurzer Mazeration auf den Traubenschalen gearbeitet; man kann die Weine aber nicht als Orangewine bezeichnen. Die Weine strahlen mit einer appetitanregenden Spannung und brillieren mit purer, echter und unverfälschter Frucht.

 

Im heutigen Newsletter, der Aufgrund meiner Reisen statt letzten Donnerstag erst am heutigen Sonntag zu euch kommt, möchte ich euch besonders auf die raren Cru des Weingutes hinweisen. Vom Cru Taibane, Monte di Mezzo und Faldeo werden jedes Jahr nicht mehr als 600 Flaschen gefüllt. Hier sehen wir was die Maules für das Feinste aus ihren Weingärten halten. Der "einfache" Pico ist in diesem Sinne alles, was nicht zum Cru geworden ist. Dieser Wein wird einzeln angeboten, die 3 Cru biete ich euch als 3er Karton an. Eine wunderbare Terroirstudie!

Auch haben wir die einmalige Chance direkt aus der Vinothek von Angiolino Maule einige seiner besten gereiften Weine anbieten zu können. Diese hat die Familie Maule im letzten Jahr ausgiebig gekostet. Inklusive seines Süßweines Recioto di Gambellara aus dem Jahr 1999 (!), den er für den besten Wein hält, den er je gemacht hat.  Die gereiften Köstlichkeiten wurden perfekt gelagert, stammen direkt aus den Kellern der Familie und können sofort genossen werden.

 

Daneben sind Rosso Masieri und besonders der I Masieri bianco wunderschöne Trinkweine für den Alltag! Der Weißwein war schon letztes Mal im Paket. Lasst euch diese Köstlichkeit nicht entgehen; schon im kleinen Wein spiegelt sich die harte, handwerkliche und hochwertige Arbeiten der Familie Maule. Eine außergewöhnliche Winzerfamilie.

#129 - A new start...

"The birds they sang
At the break of day
Start again
I heard them say
Don't dwell on what has passed away
Or what is yet to be..." (L.Cohen; Anthem)

 

Zunächst wünsche ich Euch ein frohes, erfolgreiches, aber vor allem gesundes Jahr 2021! Es hat viel Neues auf Lager und eine ganze Reihe fantastischer Tropfen um den Alltag zu zelebrieren, sind gerade auf dem Weg zu uns. Der Fokus der Weinpakete (s.u.) liegt auf feinen Trinkweinen in Rot und Weiß zu fairem Preis.

 

Es ist wirklich schwierig, richtig gute, fair bepreiste und stabile Trinkweine im Naturweinbereich zu finden, die man mit jedem, d.h. auch mit weniger weinverrückten Freunden teilen kann. Da ich seit jeher keine Abstriche in Sachen Qualität mache, grenzt sich die Auswahl hier nochmals scharf ein. Im Zweifel zahle ich auch lieber etwas mehr.

 

Vom Einfachen das Beste, oder wie geht der Spruch ?! Ich honoriere in jedem Fall herausragende Qualität, gutes Handwerk in Weingarten und Keller, Mut zum Risiko (das der Ausbau ohne Zusatzstoffe mit sich bringt) und Wachheit am Gaumen und im Geist.

Die Weinpakete sind als Probepakete gedacht, alle Weine können natürlich auch einzeln geordert werden. (Folgt dazu dem Link zu den Weingütern) Von einzelnen Weinen ist mehr auf Lager, so das man ohne Probleme nachordern kann. Hervorheben möchte ich zwei Weine die mir besonders gefallen:

Den 2019 Masieri bianco von Angiolino und Alessandro Maules Azienda Agricola La Biancara.  Einen reinsortigen Garganega von den Vulkanböden des Veneto. (Mehr Wein von den Maules, auch Raritäten und ältere Jahrgänge im nächsten Newsletter am 21/01/21!) Es gibt wenig Vergleichbares im Naturweinbereich in der Preisliga. Geschmeidig und stringent zugleich. Mineralität, aber auch viel Frucht. Jeder findet sich hier wieder!

 

 

In Rot den genialen Groslot "2019 100% Groslot" der Domaine Les Grandes Vignes. Eine unbekannte, aber entdeckenswerte Rebsorte der Loire. Leicht, aber vollmundig mit einer animierenden Würze. Auch wenn das der "Einstiegswein" der Domaine ist, ist der 100% Groslot meist schnell ausgetrunken. Der Erfolg gibt ihm recht.

 

Daneben geht die Chenin Liebe weiter. Grenzgenial der 2018 Malabé! Aus den alten Weingärten in Bonnezeaux (aus denen normlerweise der Süßwein der Domaine stammt) mit 2018 das erste mal trocken und für zwei Winter ausgebaut bereichert er das Sortiment um einen weiteren Stil dieser wunderbaren Rebsorte. Aus 2018 gehört es mit zum besten was ich aus der Region verkosten durfte.

 

Der neue Jahrgang von Thomas Batardier ist endlich da. Die Weine sind aufgrund der geringen Erträge von 15hl/ha konzentrierter als 2018; aber dennoch enorm spannungsgeladen. Besonders der Les Coccus 2019 von den alten Reben (gepflanzt 1950) brilliert für mich; hier hat der Frost kaum zugeschlagen und der Wein ist wunderbar balanciert.

Auf Lager sind außerdem neue Weine der Domaine de la Cadette. Hier besonders der Weißwein 2019 Bourgogne Vezelay "Les Saulnieres" vom alten Salzschmugglerpfad und die Pinot Noirs aus 2018 und 2019 - Bourgogne rouges und Champs Cadette. Beide Jahrgänge empfehlenswert; 2018 momentan besser zu trinken. Ebenfalls neue Champagner von Domaine Bourgeois-Diaz. Seinen Rosé de Saignee ("RS") - duftig, traubig und ausdrucksstark. Den Spitzenchampagner Blanc de Blanc ( "B"), sowie seinen Coteaux Champenois als roten Stilwein aus 60% Pinot Meunier und 40% Pinot Noir.

 

Damit wünsche ich Euch einen guten Start ins neue Jahr!

 

Cheers

 

Alex


NEWSLETTER 2020

#128 - XMAS Weinpakete

#127 - Renaud Boyer (Burgund naturally)

Bodenständiges Burgund. Für mich verkörpert Renaud Boyer dies wie kein Zweiter.  Vollkommen ohne Affekt. In Ruhe fließend wie ein Bachlauf mit quellfrischen Gedanken. Ich habe lange nach solch lebendigen Burgunderweinen gesucht.

 

Renaud Boyers Weinkeller ist im Herzen von Meursault, aber die biodynamisch bewirtschafteten 5 ha Weingärten befinden sich um Beaune, in Saint Romain und in Puligny. Renaud Boyer konnte diese von seinem Onkel in Pacht übernehmen. Dieser hatte bereits seit 1986 biologisch gearbeitet!

 

Seit seinem ersten Jahrgang in 2004 arbeitet Renaud Boyer auch im Keller ohne jegliche Hilfsmittel und komplett ohne Schwefel.

 

Das erfordert Behutsamkeit, Präzision und Feingefühl. Manchmal erfordert es auch Geduld und Demut. Absolute Charakterweine, die sowohl das Burgund als auch die zunehmend langweiliger werdende Diskussion über den vin naturel angenehm transzendieren. Große Gewächse, große Energie!

 

Der Puligny-Montrachet, der mit dem letzten Jahrgang Begeisterungsstürme ausgelöst hat, gärt heuer noch ein wenig... so ist das manchmal. Er wird im laufe des nächstens Frühjahres zu uns kommen. Ansonsten ist der  Jahrgang 2019 nun auf dem Weg und auch die zweite Füllung des genialen Saint Romain blanc von Renaud Boyer aus Jahr  2018 von dem ich noch ein paar Flaschen ergattern konnte.

 

Heute kein Paket, alle Weine können einzeln bestellt werden!

#126 - Tennstedt / Rietsch (Northern Lights)

Weingut Jakob Tennstedt

Jakob Tennstedt macht Weine im versteckten Kauterbachtal. Ein vergessenes Seitental der Mosel. Ein freundlicher und ruhiger Mensch, aber mit gehörigem Tiefgang.

 

Hier werden alle Schritte richtig gemacht. Zunächst die Auswahl eines genialen Terroirs. Feine Grauschieferböden, wurzelechte über 100 Jahre alte Reben. Es hat nur einen Nachbarn; keinen geringeren als Martin Müllen. Der Rest ist Wald und Wild. Warum so wenige der "Einheimischen" dieses Potential ergreifen bleibt mir Schleierhaft.

 

Ausbau ohne jegliche Zusatzstoffe in den traditionellen Moselfudern. Neue Fässer wurden fein ausgewählt für die Ewigkeit; die Älteren sind gut erhaltene Unikate aus den 1960er Jahren. Der Wein darf solange reifen, wie er benötigt. Im Allgemeinen über zwei Winter, wie früher, aber in Einzelfällen durchaus auch länger. Dann wird  er ohne Filtration und ohne Schwefel auf die Flasche gebracht.

 

Gehört mit einem Handstreich klar zum Besten was ich aus Deutschland seit langer langer Zeit verkosten durfte. Für mich geht das in die Richtung der Weine eines Stephane Bernaudeau oder ähnlich genialer Tropfen, nur halt durch das Prisma des Rieslings getrunken. Faszination pur.

 

ANGEBOT AUF ANFRAGE

Domaine Rietsch

Über Jean Pierre Rietsch habe ich schon viel geschrieben. Für mich gehört er zu den spannendsten Winzern im Elsass mit einer Meisterschaft in allen erdenklichen Weinstilen. Für die Herbst/Winterzeit 2020 habe ich mich beim Einkauf auf seine Rotweine konzentriert. Mit Ausnahme des genialen 2017er Riesling "Stein" und des tonisch aromatischen und raren Muskateller "Murmure".

 

Hinreißende Pinot Noir mit einem ganz eigenen Stil. Angefangen mit dem lebensfrohen Tout rouge in der Literflasch, mit dem man herrlich den grauen Alltag zelebrieren kann. Der feine 2019er Pinot Noir ein Paradebeispiel für die Rebsorte und der 2019 Pinot Noir "Vieilles Vignes" ein tiefer, dichter und eleganter elsässer Pinot Noir. Getoppt wird das ganze vom 2018er Stierkopf - einem Pinot Unikat von Burgunderklonen.

 

Ich habe also ein Rotweinpaket geschnürt - Alles Rot Alles Rietsch. Natürlich kann jeder Wein auch einzeln eingekauft werden. Folgt dazu dem LINK zur DOMAINE RIETSCH!

#125 - Pedres Blanques (Southern Stars)

 

Das junge japanische Pärchen Rie & Hirofumi Shoji machen nur einen einzigen, dafür aber hocheleganten Rotwein von ihrem Weinberg in den Höhenlagen zwischen Banyuls und Collioure. Pedres Blanques heißt "Weißer Stein" auf katalanisch und steht für den großen Weißen Stein der auf der Spitze des Weinbergs trohnt.

 

Die beiden haben sich in der Weinbauschule im Burgund kennen gelernt. In der Region konnten sie einges an Erfahrung im Weingarten und bei der Vinifikation sammeln. Hiro hat beispielsweise 6 Jahre lang an der Seite von Fred Cossard gearbeitet. Seit 2017 nun sind die beiden in Banyuls. Berühmt für seine atemberaubende, windige und wilde Natur!

 

Ihr Rotwein aus Grenache(s) gekeltert, besitz einen kühlen Antrunk und wartet mit für die Region selten erreichter Frische auf. Das Ziel ist es, einen zarten aber gleichzeitig tiefen und eleganten Wein zu keltern. Mit dem ersten Jahrgang haben die beiden bereits einen sehr weiten Sprung in diese Richtung gemacht. Mit dem zweiten Jahrgang legten sie noch eine Schüppe mehr an Eleganz drauf.

 

 

Im Jahr 2019 haben Rie & Hirofumi etwa 40% ihrer Ernte verloren. Die Qualität der Trauben war aber hervorragend. Der neue Jahrgang wurde im Vergleich zu den Vorjahren doppelt so lang in gebrauchtem Holz ausgebaut, was der Entwicklung der Aromen sehr zu gute gekommen ist. Seriöser und weiniger; aber mit der gleichen sanften Tiefe. Der Wein zeigt mehr innere Ruhe. Hier entsteht ein großer südfranzösischer Wein !

#124 - Alice & Olivier de Moor

Alice & Olivier de Moor ©aaronascough
Alice & Olivier de Moor ©aaronascough

Wein machen. So einfach wie möglich! Das ist das bescheidene Ziel von Alice & Olivier de Moor. Sie wollen vor allem die hohe Qualität ihrer Trauben sprechen lassen. So unverfälscht wie nur irgend möglich, um einen gesunden, einen lebendigen Wein auf die Flasche zu zaubern. Das Handwerk ist zuvorderst unermüdliches arbeiten im Weingarten; und die beiden werken und wirken hier im Chablis bereits seit einem viertel Jahrhundert! (seit 2005 biologisch zertifiziert)

Mit dem Jahrgang 2017 konnte sich die Domaine um 2 ha Premier Cru – Lagen auf knappe 10 ha vergrößern. „Wenn die kleinen Weinbauern kommen und plötzlich in Premier Cru Lagen arbeiten, bekommt die Chablis-Aristokratie langsam Sorgen“ lächelt Olivier de Moor verschmitzt und sichtlich zufrieden. Es ist wahr. Für mich sind die Weine der de Moors soetwas, wie die neue alte Schule des Chablis. Die Aromen sind feingliedrig und die Weine bleiben selbst mit der Konzentration des 2018 Jahrgangs tänzelnd und beinahe leichtfüssig. Der Gaumen ist druckvoll und hat immer einen erhabenen Spannungsbogen mit ordentlich Grip! Etwas vom Besten, dass man aus dem Chablis trinken kann.

Auf Kimmeridge Kalkstein stehen die knorzigen Chardonnay Reben des Mont de Millieu von Morgensonne durchflutet. Teile dieses unter Kennern sehr beliebten etwa 35 ha umfassenden 1er Cru widerstanden dem großen Frost von 1956, dem damals ein Großteil der Reben im Chablis zum Opfer fielen. Daher findet man hier zum Teil sehr alte Rebbestände. Dank eines ständigen leichten Windes, können die Trauben gerade zur Erntezeit perfekt ausreifen. Die Parzelle ist seit einigen Jahren biologisch bewirtschaftet und der Deal ist, dass Alice und Olivier neben ihrem eigenen Wein, den Besitzern  der Parzelle einen Teil der Trauben abtreten. (franz. Méteyage)

Weiter im Norden, direkt im Tal hinter Courgis nahe Poinchy gelegen, befindet sich die zweite Parzelle - der 1er Cru Vau de Vey! Diesen Weingarten konnten Alice & Olivier de Moor komplett übernehmen und haben mit dem ersten Jahrgang angefangen die Reben auf biologischen Anbau umzustellen. Der Boden hat schon mit den ersten zwei Jahren enorm an Vitalität gewonnen. Olivier schimpfte wie ein Rohrspatz, als ich das letzte Mal zu Besuch war. Gerade hatte sein Traktor den Geist aufgegeben. Natürlich Freitags und dann noch am späten Nachmittag!

 Auch wenn man ihr hin und wieder Tribut zollen muss, so ist diese sehr steile Lage (Foto oben Mitte) doch der absolute Stolz der beiden Ausnahmewinzer. Mein Eindruck ist, dass die beiden hieraus in Zukunft ihren vielleicht größten Wein keltern werden. Wenn man die kargen Kimmeridgkalkböden empor kraxelt und ein kühlender Wind einem um die Nase weht, drängt sich das förmlich auf.

Im Keller wird von jeher auf önologische Hilfsmittel verzichtet. Die Weine werden ohne Schönung und Filtration auf die Flasche gebracht. Dabei sind Alice und Olivier de Moor nicht dogmatisch. Sie werden einem Wein mehr Schwefel geben, wenn sie um seine Stabilität fürchten. Sie werden filtrieren, wenn es sich trotz aller Anstrengungen nicht vermeiden lässt. Das Ziel ist es, einen gesunde, lebendigen und langlebigen Wein auf die Flasche zu bringen.

 

Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, dass aus meiner Sicht solche Entscheidungen essentiell sind und für mich die Spreu vom Weizen bei den Winzern trennt. Nicht immer sind diese Entscheidung offensichtlich, und sie werden von guten Winzern niemals leichtfertig getroffen. Die Sensibilität, das Feingespür und die Nerven der Winzer entscheiden.

 

Heute im Angebot: Im 3er More de Moor Packet habe ich neben den beiden neuen 2018er Premier Crus noch eine Flasche 2018 Bourgogne blanc der Vendageurs masqué beigelegt. Lassen Sie gerade die Premier Crus nach dem Kauf noch ein paar Monate ruhen. Angebot limitiert - nur solange der Vorrat reicht. Die Weine können auch einzeln bestellt werden!

 

Es ist eine gute Zeit, jedes Mal wenn eine Flasche de Moor entkorkt wird. Chablis Kalkstein Quintessenz!


#123 - Clement Baraut / Julien Delrieu

Heute geht es wieder an die Loire!

 

Der 2019er Jahrgang von Cheninmönch Clement Baraut ist Anfang der Woche frisch auf Lager eingetroffen. Neben seinen expressiven und puren Weißweinen aus den Lagen im Savenniers hat Clement in diesem Jahrgang ebenfalls herausragende Rotweine gekeltert, die an Zartheit, Würze und Tiefe selten übertroffen werden. Reinsortige Grolleau Noir par excellence von uralten Weingärten.

 

Nach langen Jahren als "Garagenwinzer" konnte Clement im Sommer diesen Jahres endlich in sein eigenes Weingut im Herzen von Bonnezeaux umziehen. Hier konnte er von einem befreundeten Winzerpaar die in den Rundestand gehen die Kellergebäude übernehmen. Als ich zu Besuch kam, war er gerade den ersten Tag eingezogen; daher habe ich auf Fotos verzichtet. Ich war eh voll konzentriert auf sein mehr als gelungenes Sortiment. Alle Weine strahlen brillant - ein Gamechanger!

Ich bin unendlich froh euch heute auch mal wieder ein neues Weingut der Region vorstellen zu dürfen. Befeuert durch eine mehrstündige Blindverkostung bei Stephane Bernaudeau (dessen Weine im Frühjahr 2021 wieder auf Lager kommen!) konnte ich die Weine von Julien Delrieu entdecken.

 

Die Tiefe und Präzision seines  Chenin blanc "Pont Borceau" hatten mich nachhaltig beeindruckt. Ein kurzes Telefonat später saß ich bei Julien Delrieu in der Weinscheune. Er hatte gerade seine 2019er auf die Flasche gebracht. Juliens Story findet ihr HIER.

 

Direkt nach der Füllung hat man noch eine kleine Chance "in einen Wein reinzuschauen" bevor er sich für eine Weile verschließt. Aus einer großen Masse heraus zu einem Individuum zu werden stresst ein wenig. Nach ein paar Wochen normalisiert sich dieser "Füllschock" aber wieder.

 

Schnell war klar, dass ich hier ein ganz außergewöhnlichen, ehrlichen und lebendigen Wein probiere. Wir haben beschlossen nach dem Sommer eine erste kleine Bestellung zu machen. Diese ist jetzt da - ich bin auf euer Feedback gespannt!

 

Viel Spaß beim entdecken und erschmecken.

 

Alexander Zülch

 

P.S. Untenstehend das Entdeckerpaket - lediglich der Spitzenwein LES PETITES COULEES von Clement Baraut aus der Grand Cru Lage La Roche aux Moines ist nicht darin enthalten.

ALLE WEINE KÖNNEN AUCH EINZELN GEKAUFT WERDEN. EINFACH DEN LINKS ZU DEN DOMAINE FOLGEN: DOMAINE JULIEN DELRIEU ; DOMAINE CLEMENT BARAUT

#122 - Domaine Buronfosse (Jura)

Peggy & Jean Pascal Buronfosse ©wineterroirs
Peggy & Jean Pascal Buronfosse ©wineterroirs

Neue Weine der Domaine Buronfosse. Peggy und Jean Pascal begeistern uns mit ihren ehrlich handwerklichen Juraweinen. Sie haben in den letzten, teils sehr fordernden Jahren, ihren ganz eigenen Stil gefunden. Dieser reflektiert für mich ein sehr ursprüngliches Jura ohne Firlefanz und TamTam. Ein Ruhepol in dieser hippen Region, aber nicht weniger gefragt.

Den Weinen wird Zeit zugestanden, trotz finanzieller Engpässe wird schonmal über mehrere Jahre ausgebaut. Der Qualität des Produktes wird absoluter Vorrang eingeräumt. Das ist in unserer schnelllebigen, von scheinbar ausschließlich kapitalistischen Interesse getriebenen Zeit äußerst selten geworden.

Der Jahrgang 2018 war von der Erntemenge nach dem quasi-Totalverlust von 2017 ein wahrer Segen! Doch durch die lange Trockenperiode ohne Regen war die Vergärung der Weine langwierig und fragil. Peggy und Jean Pascal haben also entschieden den Weinen ein wenig mehr Schwefel zu geben als normal. (etwa 20-30mg/L im Vrgl. zu 0-10mg/L) Ein absolut richtiger Schritt, um einen lebendigen Wein herzustellen, der uns lange Freude bereitet.

Mit solchen, teils schwierigen aber wohlüberlegten Entscheidungen trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Winzern. Man findet noch zu oft fragile Weine, die auf die Flasche gebracht wurden, lediglich um einer bizarren Idee von Natur zu huldigen. Dabei steht doch beim lebendigen Wein, beim vin vivant, der Mensch ganz klar im Vordergrund. Das Optimum ist es einen Wein ganz ohne Zusatzstoffe stabil auf die Flasche und zum Kunden zu bringen! Das geht nicht in jedem Jahrgang und nicht mit jedem Wein. Jeglicher Dogmatismus steht dabei unserem Hedonismus im Weg und das muss ja nicht sein ;-)

Der Jahrgang 2019 gab eine wunderschöne, aber durch Frühfröste erneut um 30% kleinere Ernte. 2020 tut sich momentan recht vielversprechend an. Also Chapeau Peggy und Jean Pascal Buronfosse und auf viele weitere Jahrgänge ehrlicher, authentischer und hochwertiger Juraweine!!!

DIE WEINE KÖNNEN AUCH EINZELN BESTELLT WERDEN. BITTE DEM LINK FOLGEN!

#121 - Cidrerie Le Vulcain

 

Wenn du Cidre der Extraklasse suchst, geht kein Weg an der Cidrerie du Vulcain und ihrem symphatischen Besitzer Jaques Perritaz vorbei. Im Schweizer Jura, nahe dem Lac de Neuchatel liegen die beindruckend hochgewachsenen Obstbäume der Cidrerie du Vulcain. Aus alten, lokalen Sorten von unbehandelten Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen keltert Jaques Perritaz seit 2006 seine mittlerweile weltweit begehrten, außergewöhnlichen Cidre.

 

Das terroir fribourgeois ist eine schützenswerte Kulturlandschaft mit kühlem Klima und unterschiedlichsten Bodenformationen. Beste Voraussetzungen für eine nuancenreiche Aromenentwicklung der hier wachsenden Früchte. Diese werden pur und unverfälscht verarbeitet, mit den natürlichen Hefen vergoren und nur sehr gering, manchmal gar nicht geschwefelt.

#120 - Domaine Antoine Sanzay (Saumur)

Die Weine von Antoine Sanzay gehören zu den besten der Region, das bestätigt sich bei jedem Besuch von mir erneut. Steigt mit uns gemeinsam in den Tuffsteinkeller unter dem Haus hinab, um den neuen Jahrgang zu verkosten! Allgemeine Informationen über die Domaine findet ihr HIER.

Mit jedem neuen Jahrgang dreht Antoine Sanzay ein bisschen weiter an der Qualitätsschraube. Mit jedem neuen Jahrgang differenziert er seine Weingärten mit Gefühl weiter aus. Mit jedem neuen Jahrgang passt er seine Vinifikation perfekt an die Gegebenheiten des Jahres an. Großartiges Handwerk!

Wir verkosten zunächst die Roten. Schon der Einsteiger Saumur Champigny "Domaine" ist enorm ausdrucksstark. Ein hedonistischer Wein voll reifer dunkler Frucht mit weißem Pfeffer und blauen Blütennoten. Der Wein wird ausschließlich im großen Betontank ausgebaut und behält so wunderbare Frische und Spannung. Das ist ein Paradebeispiel für einen Cabernet franc und ein genialer Rotwein obendrauf!

Mit den Lagenweinen beginnen wir die Charakterstudien des Cabernet franc. Mein Favorit ist der feingliedrige Saumur Champigny "La Haye Dampierre" - immer subtil, still und floral. Die Trauben werden entrappt und die ganzen Beeren vergären für etwa drei Wochen, bevor sie gepresst und im großen Betonei ausgebaut werden. Pures und elegantes Tannin des Cabernet franc.

Der Samur Champigny "Les Salles Martin" ROUGE stammt von den sandigen Böden bei Saint Cyr en Bourg. Haben wir beim Haye Dampierre dunkle Cassisfrucht vorherrschend, zeigt der Les Salles Martin sich elegant mit roter Kirschfrucht und zartem Süßholz. Diese "pinotesquen" Tendenzen werden durch den Ausbau im Keramikgebinde weiter fokussiert. Das wird ein großartiger Wein mit etwas Reife auf der Flasche! Limitiert.

Der Große Saumur Champigny " Les Poyeux" aus der berühmten Lage darf immer ein Jahr länger reifen und ist somit Jahrgang 2017. Antoine hat den Holzeinsatz hier zurückgenommen und der Wein darf sich außerdem noch 6 Monate im großen Betontank affinieren und harmonisieren. Für mich ist 2017 daher der wahrscheinlich beste Poyeux den Antoine bisher auf die Flasche gebracht hat. Er hat die Statur eines großen Weines. Massiv, dunkelfruchtig mit Noten von Kakaobohne. Am Gaumen lang anhaltend mit hochfeinen und ungestört fließenden Tanninen. Herausragend.

Danach probieren wir die Weißweine. Alles reinsortige  Chenin blanc. Sie machen eine vergleichsweise kleine Menge der Produktion aus und sind dementsprechend rar. Der Jahrgang 2018 war eher ein Rotweinjahr; viele Weißweine der Region sind stark konzentriert und haben wenig Säure. Das war auch mein erster Eindruck bei Antoines Weißweinen; aber bei der Nachverkostung muss ich mich hier etwas revidieren. Ich glaube, das die Weine Zeit auf der Flasche brauchen um ihre Konzentration zu harmonisieren. Die guten Anlagen mit feinem Gerbstoff und vibrierender Mineralität stützen die luxuriöse Frucht. Die Schlüssel zum Erfolg waren die Arbeit im Weingarten, der Erntezeitpunkt und ein sensibler Ausbau. Die Weine sind Langstreckenläufer und perfekte Speisenbegleiter.

Der Saumur "Les Salles Martin" BLANC zeigt sich auf Textur mit tropischen Noten und feinen nussigen Anklängen. Ausbau findet im 600L Holzfass von bester Provenance statt. (1/3 neues Holz) Danach darf der Wein sich für mehrere Monate im Edelstahltank harmonisieren. Eine Bressepoularde dürfte ihm als Begleitung gut stehen.

Den Saumur "Les Essarts" findet man nicht so häufig. Nur kleine Mengen dieses großen Chenin blanc von einer neuen Parzelle mit Kalksteinböden. Ganz Frucht und Mineral, verträgt er sich aufs vorzüglichste mit dem blauen bretonischen Hummer, der gerade Saison hat! Mit etwas Reife würde ich diesen Wein aber gerne auch solo über einen Abend genießen. Und mit solo meine ich allein mit mir selbst.

 

#119 - Domaine Rietsch (Elsass)

Jean Pierre Rietsch
Jean Pierre Rietsch ©wineterroirs

Diese Woche sind wir im Elsass, das sich zu einer enorm spannenden Region mit vielen jungen Winzertalenten entwickelt. Dazu bald mehr. Heute sind wir in Mittelbergheim bei der Domaine Rietsch, die ich mittlerweile klar zu den besten Domainen der Region zähle. Jean Pierre Rietsch hat über die letzten Jahre eine Art Meisterschaft in der Weinherstellung erreicht. Das Fundament bildet die Arbeit im Weingarten, die sich auf den Erhalt eines Gleichgewichts zwischen Boden, Pflanze & Klima konzentriert. Neben der biologischen Wirtschaftsweise mit absolutem Verzicht jeglicher synthetischer Produkte im Pflanzenschutz wird besonders der Bodenbearbeitung Aufmerksamkeit geschenkt. Und wenn ich von Bearbeitung spreche, dann meine ich die schonendste und intelligenteste Weise. Einsaten unterschiedlicher Gräser und Kräuter erhöhen die Biodiversität. Der Boden wird nur selten gestört und wenn dann auf "sanfte" Weise im Oberboden mit dem Pferd. Die Natur verrichtet auf wundersame Weise ihr Werk. Wenn man durch die Weingärten von Jean Piere Rietsch schreitet, sprühen sie förmlich vor  Energie und Leben.

Im Keller folgt dann das sensible Nichtstun. Der Zengeist! Die Reduzierung auf das Minimum an nötigen Eingriffen. Eine wache Aufmerksamkeit. So wird jeder Wein ganz individuell, eigenständig und fein. Das ein Winzer die gesamte Klaviatur von Schaumwein, Trinkwein & Terroirwein in weiß und rot bis hin zum maischevergorenen Wein so versteht zu spielen wie Jean Pierre Rietsch ist ganz außergewöhnlich. Jean Pierre ist zu einem der spannendsten Weinbauern im Elsass geworden. Rietsch the top - überzeugt euch selbst!

#118 - Domaine Noella Morantin

Noella Morantin
Noella Morantin vor ihrem neuen Kellergebäude.

Aus Blois kommend genieße ich die kalte Luft des Morgens während ich durch die wildreichen Wälder in Richtung Thésée gleite. Maibock on my mind. Dann tut sich ein weites grünes Tal vor mir auf. Die Landschaft hat etwas bukolisches; das Flüsschen Cher im Vergleich zur majestätischen Loire fließt ruraler und beruhigender. Die Touraine ist eine großartige Region für Ziegenkäse, wie den Selles sur Cher mit seinem Parfüm aromatisch grüner Wiesen und seiner weichen, wollüstigen Textur. Man angelt Hecht und den feinen, scheuen Zander. Begießen tut man das alles mit reichlich Wein.

 

Am frühen Vormittag habe ich ein Rendezvous mit „Lady Sauvignon“. Noella Morantin ist eine leidenschaftliche Winzerin und ich habe das Glück sie seit ihren Anfängen begleiten zu dürfen. Vor ein paar Jahren ist sie von Thésée nach Pouillé auf die andere Seite des Flusses in ihr neues Kellergebäude umgezogen. Mehr Raum zum Arbeiten und ein langer Tuffsteinkeller für den Ausbau und die Lagerung ihrer Weine. (Die Fotos von Noella und ihrem Partner Philipp aus dem Keller stammen von Betrand Celce ©wineterroirs.com) Wir kosten uns durch die Weine des neuen Jahrgangs, der sich vielversprechend antut und danach die Weine von 2018 die schon auf der Flasche reifen konnten. Sie fangen gerade an richtig zu singen!

 

Ein Sauvignon blanc darf grasig aromatischen Charakter haben. Wenn man bei Gras an die Kräuterwiesen denkt, die man hier findet und an das warme, reife Aroma von Heu, das in der Abendsonne in die Scheunen verbracht wird. Wenn er gleichzeitig etwas pulpig-traubig, transparentes am Gaumen aufweist, ist es ein ehrlicher Wein. Die moderne Kellerwirtschaft ist mit der Rebsorte  überambitioniert gewesen. Meist findet man nurmehr Karikaturen des Sauvignon blanc. Es werden die falschen Akzente hoch getunt.

Noella spielt den Sauvignon blanc wie niemand anders. Die Weine sind subtil & edgy zugleich. Ruhiger und ausgeglichener als die Jahre zuvor, aber voller Charakter. Der Pichiaux in 2018 richtig gut gelungen – ist so nah an der Traube wie nur irgend möglich und schon jetzt fantastisch zu trinken. Mein Lieblingswein der Chez Charles trägt bereits mehr mineralische Züge des Bodens in sich und ist heuer reifer mit zarten(!) tropischen Noten. Die Lage liegt weiter unten am Hang und ist wärmer. Diesem Wein tut noch etwas Reife auf der Flasche gut.

 

Für einen großen Sauvignon blanc aus der Touraine kenne ich kein besseres Beispiel als den LBL von Noella Morantin. Wir kosten den 2017er, der gerade jetzt auf den Markt kommt. Hier spielt die Rebsorte letzendlich keine Rolle mehr. Es ist ein leiser und weiter Wein. Die Komplexität kommt ganz klar aus den alten Weingärten und vom Terroir. Nach einer dünnen Auflage von silexreichem Lehm wurzelt die Rebe schnell in Kalkstein. Eine aromatische Rebsorte so zurückhaltend zu spielen ist eine Kunst für sich und Noellas LBL ein großer Wein.

 Wir entzünden den Kamin. Zu Mittag haben wir ein paar wilde Austern und ein Onglet de Boeuf aus dem Feuer mit Chicorée-salat. Zum Fleisch gibt es den Tango Atlantico. Das ist Noellas Rotwein aus Cabernet franc und Côt (Malbec). Vollreif und würzig. Dicht mit iodigen Noten des Cabernet franc und der schwarzen Frucht des Malbecs ist dieser Rote absolut hinreißend. Er verbindet Trinkfluss mit Substanz – was für ein Wein!

 

Noella Morantin keltert charaktervolle und subtile Weine die zu den besten der Region gehören. Seriöse Weine die Freude bereiten. Weine die sich fantastisch solo trinken lassen; aber gerade zu Speisen besonders auftrumpfen. Sei es ein Onglet, ein Rehrücken oder einfach ein paar Austern oder ein herausragender Ziegenkäse. Manchmal liegt das Glück doch einfach so nah...

 

Die Weine von Noella Morantin kommen direkt aus dem Weingut und gehen frühesten ab dem 25/05/2020 in den Versand. Es kommt vereinzelt zu Verzögerungen im Transport aufgrund der aktuellen Situation. Die Mengen sind limitiert.

 

Viel Freude mit dem neuen Jahrgang von Noella Morantin!

 

Alexander Zülch

#117 - Domaine Benoit Courault

Entfesselte Locken, ungezähmter Bart; aus dem wettergegerbten Gesicht schauen dich zwei Augen an; kühl und blau stechend. Es ist immer ein besonderer Moment mit Benoit Courault verkosten zu können. Wenn man auf das kleine Weingut außerhalb von Faye d'Anjou kommt, kann man nicht anders als zu entschleunigen. Man folgt unwillentlich dem Rhythmus dieses sympathischen Winzers, der hier vor mehr als zehn Jahren seine Heimat gefunden hat. Zunächst für mehrere Jahre mit Frau und Kind im Wohnwagen, später im eigenhändig gebauten Haus zwischen den Reben.

 

Chenin blanc, Cabernet franc & Grolleau wurzeln in den vielfältigen Schieferböden des armorikanischen Massivs. Ganze 6 ha werden biologisch bewirtschaftet. Der Fokus ist die Bodenbearbeitung, die Reanimierung des Bodenlebens und die beständige Pflege und der Erhalt seiner sehr alten Weingärten. Die Arbeit zu Pferd erhöht das ganze um eine weitere Dimension. Benoit Courault hat etwas Wildes und Wohlwollendes zugleich – als wenn das lange arbeiten in und mit der Natur ihn in diesen Flowzustand versetzt hätte. Eine nachdenkliche Stille wird kurze Zeit später durch ein tiefes, herzliches und ehrliches Lachen erleichtert.

 

In den letzten Jahren hat er sich wirklich gefunden. Die fantastische Energie seiner Weingärten transzendiert sich unverfälscht in seinen spannungsgeladenen vitalen Weinen. Kristallin und Pur! Der Ausbau findet für 12-18 Monate im großen Holzfuder statt. Es wird wenig bis gar kein Schwefel eingesetzt. Durch seine Sensibilität, aber vor allem durch konstant hartes, unermüdliches und präzises Werken zählt Benoit Courault heute zu den besten Winzern der Region.