Silvaner Ultras - eine Miniserie

Meine Arbeitsthese vorweg: Silvaner ist für mich heute die spannendere Terroir-Rebsorte als Riesling. Nicht die größere, nicht die berühmtere — aber die, an der ich gerade am meisten lerne.

 

Riesling tänzelt. Er dreht die Aromen auf, sucht das Rampenlicht, behauptet sich. Silvaner geht einen umgekehrten Weg — leise, oft als aromenneutral beschrieben, fast schweigsam. Und genau darin liegt seine Stärke. Wo Riesling den Boden übermalt, lässt Silvaner ihn durchscheinen. Ein Brennglas für das Gestein, nicht für sich selbst. In den Händen einer kleinen, eigenständigen Szene werden daraus mittlerweile einige der spannendsten Weine, die Deutschland zu bieten hat. Still, aber eindringlich. Damit beginnt diese Reihe. Eine Spurensuche bei den Winzer:innen, die diese stille Sorte ernst nehmen — bodengetrieben, kompromisslos. 

 

DNA der Stille

Ein selten erwähntes Detail: Silvaner ist genetisch ein Kind des Savagnin — jener Jura-Rebsorte, aus der Vin Jaune entsteht. Traminer × Österreichisch Weiß; der eine Elternteil ist exakt das, was die Franzosen Savagnin nennen. Auch hier liegt die Kraft in der Ruhe und der Zeit, die man ihm schenkt und sich mit ihm gibt. Meine große Liebe, gewachsen aus genau dieser Verwandtschaft. 

 

Im ersten Teil dieser Reihe ging es um Stephan Krämer. Dann waren wir ein paar Kilometer flussabwärts bei Maximilian Baumann und heute geht es zu einem Urgstein der Silvaner Kultur...

 

# 4 Konni & Evi

Silvaner Ultras vom Grund des Urzeitmeeres!

Ich muss zu meiner Schande gestehen: Saale-Unstrut hatte ich lange überhaupt nicht auf dem Schirm. Eines der nördlichsten Weinbaugebiete Europas, knapp unterhalb des einundfünfzigsten Breitengrades, kühl, spät, dem Frost ausgeliefert — ein einziger Spätfrost kann die ganze Ernte nehmen, so geschehen 2024.

 

Hier müsste der Weinbau eigentlich aufhören. Stattdessen klettern an den Steilhängen über der Unstrut Reben, von denen manche neunzig Jahre und älter sind, gehalten von Trockenmauern, die heute niemand mehr bauen würde, weil sich die Mühe nicht rechnet. Genau deshalb bekommt man hier etwas, das anderswo verschwunden ist: alte Reben in großen Lagen. Der Preis ist Leidenschaft und Schweiß.

 

Das Weingut Buddrus hat sich darauf eingelassen. Besser bekannt unter dem Namen, den die beiden sich selbst gegeben haben — Konni und Evi bewirtschaften wenige Hektar biodynamisch und aufwendigst von Hand, nach Demeter. Silvaner Ultras nennen sie sich, wie die Kurve im Stadion, nur dass die Hingabe hier einer leisen, unmodischen Rebe gilt und einer Gegend, die auf keiner Bestenliste steht. Im Keller geht es ruhig und bedacht zu: viel ganze Traube, lange-schonende Pressung in der Korbkelter oder sogar ein paar Tage Maischestand je nach Gefühl, dann Ausbau in Glas, Stahl oder Eiche aus dem nahen Harz — selbst das Holz also von hier. So jung die beiden wirken, so seriös sind die Weine! Druckvoll am Gaumen, vielschichtig, mit einem Spannungsbogen, der sich erst mit Luft im Glas ganz aufspannt. Hier wird an den richtigen Schrauben gedreht, und das spürt man schon im ersten Schluck.

 

 

Und dann die Namen. Tethys, Trias, Ammonit — man liest sich zurück durch die Erdgeschichte. Die Tethys war ein Meer, das vor rund zweihundertvierzig Millionen Jahren über Mitteleuropa lag, warm und flach; auf seinem Grund setzte sich, Schale um Schale, jener Muschelkalk ab, dessen Erdzeitalter wir heute Trias nennen. Die Hügel über der Unstrut sind dieser Meeresboden, gehoben und in den kalten Norden gestellt; der Ammonit ist das Tier, das im Stein zurückblieb. Was Konni und Evi in die Flasche füllen, ist demnach, genau besehen, ein Meer, das es nicht mehr gibt — Kalkstein, Sandstein, Gipsstein, ausgelesen Rebe für Rebe.

 

Das Silvaner-Ultra-Paket

 

Drei Silvaner, drei Tiefen desselben Bodens. Man kann jeden für sich trinken; nacheinander führen sie immer näher heran — vom weiten Blick über die ganze Region bis in die eine Parzelle, in der alles zusammenläuft.

 

Der Silvaner Trias 2023 ist der Wein, mit dem man anfängt, und den man am Dienstagabend einfach aufmacht, ohne lange zu überlegen. Junge Anlagen aus dem besten alten Rebmaterial, über Kalk, Sand und Gips verteilt; im Glas saftig und salzig, mit dem leichten Griff, den die ganze Traube gibt. Die ganze Gegend in einem unkomplizierten Schluck — und der entspannteste Weg, die beiden kennenzulernen.

 

Der Silvaner Tethys 2024 ist der Kalkstein, gebündelt: ein Blend aus allen Kalksteinlagen der beiden — Hahnenberge, Osterberge, Ziegental, Schweigenberge, Edelacker —, von Reben zwischen siebzig und hundert Jahren. Hier spricht das alte Meer am deutlichsten, Stein vor Frucht, viel Zug, salzige Länge, dieser maritime Nachhall, den nur sehr alte Wurzeln auf Kalk hinbekommen. Ein Wein für den Tisch, zu Fisch und Geflügel. Noch jung; gönn ihm ein, zwei Jahre, dann steht er ganz da.

 

Der Silvaner Ziegental 2022 ist das Herz. Der erste Weinberg, den Konni und Evi gemeinsam bewirtschaftet haben, neunzigjährige Reben in der Lage Hohe Gräte, die sie für sich als einen ihrer Grand Crus führen. Eine lange Reife im Harzer Holz hat ihm ein offenes, großzügiges Mundgefühl gegeben; Kräuter, Hefe, ein Zug Feuerstein, und über allem die Ruhe, die nur alte Reben in sich tragen. Im Glas wächst er über eine ganze Stunde weiter. Das ist die Flasche für den großen Abend — Grand-Cru-Stoff!

 

 

Das Kennenlernpaket der Domaine

 

Neben den Silvaner-Kern lassen sich drei Weine stellen, die die ganze Spannweite der beiden zeigen. Das Paket steht für sich; niemand muss das eine kaufen, um an das andere zu kommen.

 

Alte Terrassen 2023, ein alter Gemischter Satz aus Chasselas in Rot und Weiß und Silvaner, von einer südwestgewandten Terrasse im Edelacker, gepflanzt in den 1930er-Jahren. Als ich das erste Mal dort war, bin ich mit Konni kurz vor Sonnenuntergang durch die Weinberge gerauscht — und es waren genau diese alten Terrassen, die sich im letzten Licht so dramatisch über der Unstrut erhoben, die mich gepackt haben. Fast ein Jahrhundert alte Reben, gelebte Weinbaugeschichte in einem Glas.

 

Riesling 2023 von den Schweigenbergen bei Freyburg (siehe oben), hoch gelegen, kühlen Winden ausgesetzt, von fünfzig Jahre alten Reben. Sehr späte Lese bei vollkommener Reife, eine Säure, die den Mund wässern lässt und nach dem nächsten Schluck verlangt. Der wache Gegenpol zu den ruhigen Silvanern.

 

Ammonit Brut Nature 2022 schließt den Kreis zur Tiefenzeit, schon im Namen — der Spitzenschaumwein der beiden, ein Sekt aus reinem Pinot Noir von gut fünfzig Jahre alten Steillagen-Reben. Die zweite Gärung in der Flasche, die die Perlage bringt, setzen sie ohne jeden Zusatz in Gang, weder Zucker noch Hefe, allein mit dem frischen Most des neuen Jahrgangs; danach rund dreißig Monate auf der Hefe, ehe degorgiert wird. 

Ein warmes Meer, vor zweihundertvierzig Millionen Jahren versunken, sein Grund heute ein kalter Hang im Norden, von Hand terrassiert, und darauf zwei, die einer vergessenen Rebe die Treue halten wie einem Verein. All das steht in diesen Flaschen. Unbekanntes Deutschland, alte Reben, Weine zum Entdecken — am besten, man zieht den Korken und probiert selbst.

 

Beide Pakete sind einzeln zu haben. Für die Silvaner allein nimmt man das Silvaner-Ultra-Paket; wer Konni und Evi in ihrer ganzen Breite kennenlernen will, stellt das Kennenlernpaket daneben.

 

Viel Spaß beim entdecken und erschmecken

 

Alex

 

SILVANERULTRAS - Konni & Evi

Das 3er SilvanerUltraPaket von Konni & Evi

 

2023 Silvaner "Trias" 

2024 Silvaner "Tethys" 

2022 Silvaner "Ziegental" 

 

95,00 €

  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

KONNIE & EVI - Kennenlernpaket

Ein 3er Paket mit folgenden feinsäuberlich ausgewählten Weinen:

 

2022 Pinot Noir "Ammonit" brut nature - Sekt

2023 Alte Terrassen 

2023 Riesling

 

100,00 €

44,44 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

# 3 Stefan Vetter

Stefan Vetter und der lange Atem des Silvaners

Im Album "Under the Red Sky" von Bob Dylan gibt es den Song Born in Time. Wenn ich an die Weine von Stefan Vetter denke, fällt mir genau diese Formulierung ein.

 

Wer eine junge Flasche heute öffnet, wird selten sofort verstehen, was sie zu sagen hat. Sie ist spröde, unnahbar, fast introvertiert. Wer aber Geduld hat, erlebt etwas anderes: Nach zwei, drei, fünf Jahren auf der Flasche werden diese Weine schwebend, salzig, tief mineralisch — durchlässig für ihren Ort. Sie haben innere Ruhe. Sie sind, was große Weine immer sind: in der Zeit geboren.

 

Eine kleine Avantgarde

 

Stefan Vetter arbeitet in Franken auf rund fünf Hektar. Casteller Kirchberg und der Gambacher Kalbenstein — Steillagen auf Muschelkalk und Buntsandstein, viele Reben weit über fünfzig Jahre alt. Handarbeit, biologische Bewirtschaftung, minimale Eingriffe im Keller. Leicht beschrieben — und doch etwas, was nur sehr wenige Winzer in Deutschland so konsequent tun.

 

Vetter gehört zur kleinen Avantgarde, die den Silvaner als ernsthafte Herkunftsrebsorte für große, langlebige Weißweine neu definiert hat. Nicht als folkloristische fränkische Spezialität. Nicht als unkomplizierten Sommerwein. Sondern als Brennglas für Gestein, Witterung und Zeit.

 

Gambacher Kalbenstein

 

Ein Wort zur Lage. Der Gambacher Kalbenstein wäre nach industriellen Maßstäben längst aufgegeben: Steilterrassen, jahrhundertealte Trockenmauern, kein Maschineneinsatz möglich. Vieles wird ehrenamtlich erhalten. Naturschutzgebiet, Lebensraum für Feuersalamander, Eisvogel, seltene Schmetterlinge. Weinbau, seit über siebenhundert Jahren, in Handarbeit. Vielleicht entstehen genau dort die interessantesten Weine. Weil ein Ort wie dieser nichts hergibt, wenn man ihn nicht versteht. Und weil die Weine, die er hervorbringt, gar nicht laut sein können .

 

Eine Ästhetik der Reduktion

 

Vetters Minimalismus ist keine Methode, die sich allmählich entwickelt hat. Es ist eine Ästhetik — und zwar von Anfang an. Das Bild oben links zeigt Stefan vor über zwölf Jahren, beim ersten oder zweiten Jahrgang. Dieselbe Konsequenz, dieselbe Stille. Es ist seither nichts bunter geworden, nichts lauter, nichts modischer. Eine Handschrift, die sich treu bleibt.

 

Wenn man eine bildende Parallele dazu sucht, liegt Pierre Soulages nahe, den ich sehr schätze. Der französische Maler arbeitete jahrzehntelang fast ausschließlich mit Schwarz und nannte es Outrenoir. Schwarz nicht als Abwesenheit von Licht, sondern als das Material, das Licht erst erzeugt: die Rillen in der Farbe, die Strukturen, das Spiel der Reflexionen werden erst sichtbar, wenn man alles andere weggenommen hat.

 

Vetters Silvaner funktioniert irgendwie auf dieselbe Weise. Was bei diesen Weinen nicht da ist — die laute Frucht, die Holzwürze, die Hefearomatik, die kompensatorische Süße — fehlt nicht. Es ist die Bedingung dafür, dass das andere sichtbar wird: das Gestein, die Lage, die Spannung, die Zeit. Reduktion ist hier kein Verzicht, sondern ein Verstärker.

 

Das Silvaner-Ultra-Paket

 

Sechs Flaschen, drei Jahrgänge, zwei Böden.

Die warmen Jahre — 2019 & 2020

  • 2019 Sylvaner Sandstein
  • 2020 Sylvaner Muschelkalk

Vetters Stilistik auf sonnigen Jahrgängen: keine marmeladigen Weine, sondern eine warme, tiefe Ruhe. Beide schon in der zweiten, dritten Reifephase — da, wo seine Weine ihre eigentliche Form annehmen.

 

Die drahtigen Jahre — 2021

  • 2021 Sylvaner Muschelkalk
  • 2021 Sylvaner Sandstein
  • 2021 Sylvaner GK (Gambacher Kalbenstein)

Drei Flaschen aus einem kühlen, konzentrierten Jahr. Drahtig. Salzig. Verschlossen. Der GK ist die Quintessenz seiner Steilterrassenarbeit — ein Wein, der drei Jahre braucht, um anzukommen, und dann zehn weitere hält.

 

Der Ausblick — 2023

  • 2023 Sylvaner Himmelslücke

Der jüngste Wein im Paket. Die Himmelslücke gibt aus Stefans Sortiment immer den schönsten Blick nach vorn in die Zukunft. Jetzt öffnen wäre möglich — wie immer im Microdosing.

 

Das zweite Paket — Methode Rurale aus Streuobst

 

Vetter füllt seit Jahren auch Fruchtschaumweine nach Methode Rurale — Birne, Quitte, Apfel — aus alten Streuobstwiesen der Region. Eine einzige Gärung, in der Flasche zu Ende, mit der eigenen Hefe. Kein Tirage, keine Dosage. Im Grunde dieselbe Geschichte wie beim Kalbenstein: ein Stück Landschaft, das nur überlebt, weil ein paar Menschen es nicht aufgeben.

  • 2021 Cidre — Methode Rurale
  • 2021 Poire — Methode Rurale
  • 2021 Quitte — Methode Rurale

 

Der Cidre ist der zugänglichste — trocken, frisch, ein perfekter Aperitif. Der Poire feiner, etwas nachdenklicher. Birne ist meist mein Favorit. Die Quitte die eigenständigste der drei.

Verweigerte Lesbarkeit

 

Ein letzter Gedanke. In einer Zeit, in der alles auf unmittelbare Verständlichkeit optimiert wird — Wein, Essen, Medien, Musik, Kunst — wirken Vetters Weine fast wie aus der Zeit gefallen. Sie verweigern die sofortige Lesbarkeit. Sie wollen nichts performen. Sie wollen nichts beweisen. Vielleicht erkennt man große Weine heute genau daran.

 

Mit fränkischen Grüßen

  

Alexander Zülch

 

SILVANERULTRAS - Stefan Vetter

Ein 6er Paket mit folgenden Weinen:

 

2019 Sylvaner Sandstein

2021 Sylvaner Sandstein

2020 Sylvaner Muschelkalk

2021 Sylvaner Muschelkalk

2021 Sylvaner GK

2023 Sylvaner Himmelslücke

 

175,00 €

38,89 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

Vetters Fruchtschaumeine

Ein 3er Paket mit folgenden Fruchtschaumweinen:

 

2021 Cidre methode rurale

2021 Poire methode rurale

2021 Quitte methode rurale

 

39,50 €

17,56 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2020 Müller-Thurgau / Stefan Vetter

100% Müller-Thurgau

 

 

 DE-OKO-003

13,50 €

18,00 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2021 Sylvaner "F" / Stefan Vetter

 Ein kleiner Einsteiger, der sich nicht so ernst nimmt. F for Fun... !

 

  DE-OKO-003

14,50 €

23,33 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2020 Müller-Thurgau "Steinterassen" / Stefan Vetter

100% Müller-Thurgau

 

Mit den Steinterassen betreten wir die Welt der Terroirweine am Gambacher Kalbenstein!

 

 DE-OKO-003

17,50 €

23,33 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

2019 Sylvaner CK

 

Ein Paradebeispiel eines Sylvaner der ganz Mineral, ganz Licht ist! Purismus par excellence

 

 DE-OKO-003

39,50 €

52,67 € / L
  • nur noch begrenzte Anzahl vorhanden
  • 1 bis 2 Tage1

# 2 Max sein Wein

Maximilian Baumann — Dertingen, Tauberfranken

Baumanns Welt beginnt dort, wo die Tauber Baden erreicht. Dertingen, ganz im Nordosten Baden-Württembergs, an der Grenze zu Franken. Dasselbe Tal, dasselbe Gestein wie in Teil 1 — aber eine andere Generation, eine andere Schule, ein anderer Zugang.

 

Max Baumann ist Winzer in vierter Generation. Sein Urgroßvater gehörte zu den Mitgründern der örtlichen Genossenschaft, sein Vater Martin gründete 1988 das Familienweingut. Schon als Kind war Max im Weinberg und im Keller dabei. Aber wirklich geprägt hat ihn das, was danach kam: Lehr- und Wanderjahre in Deutschland, Neuseeland und vor allem Österreich.

 

Bei Gut Oggau am Neusiedler See war er nur kurz — aber die Station, die ihn wirklich geprägt hat, war Judith Beck im Burgenland. Wer Judith Beck kennt, weiß, was das bedeutet: eine der eigenständigsten Stimmen der biodynamischen Naturweinbewegung Mitteleuropas. Hier hat Max nicht weniger gelernt als ein eigenes Weltbild für Boden, Rebe und Keller. 2016 ist er heimgekehrt und hat sein eigenes Label gegründet. Der Name ist Programm: Max sein Wein — ehrlich, fränkisch, ohne Pose.

 

Die Kellerphilosophie passt dazu: „so wenig wie möglich, so viel wie nötig". Genau daraus ist der Name geboren.

Heute bewirtschaftet er 5,3 Hektar, verteilt auf drei Gemeinden, zwischen 200 und 330 Höhenmetern, südost- bis südwest-exponiert. Seit 2016 vollständig biologisch, mit deutlicher biodynamischer Handschrift. Magere, steinige Verwitterungsböden aus Muschelkalk, dazu Zonen mit eisenhaltigem Lehm auf Buntsandstein. Eigener Kompost, vielfältige Begrünung — die Bodenarbeit kommt zuerst, dann der Rest.

 

Im Keller arbeitet er konsequent zurückhaltend: Handlese, Spontangärung, keine Reinzuchthefen, kein Schönen, kein Filtern, Schwefel auf das absolute Minimum reduziert. Die Weine reifen rund zehn Monate auf der Vollhefe in gebrauchten Eichenfässern zwischen 225 und 1250 Liter, danach mindestens bis Januar in der Flasche, je nach Jahrgang länger. Baumann ist einer der spannendsten Newcomer der deutschen Weinszene. International längst gehandelt — Dänemark, England, USA — in Deutschland selbst noch unterschätzt. 

Sein Zugang zum Silvaner ist ein anderer als der bisher gezeigte: Statt vertikal in die Reife zu gehen, fächert er horizontal auf — dieselbe Sorte, dasselbe Terroir, derselbe Jahrgang, und drei verschiedene Weine, gestaffelt nach Rebalter, Lage und Ausbaugefäß. 

 

Das 3er-SILVANERULTRAPaket — drei Silvaner, ein Jahrgang, eine Studie

Alle drei aus 2022. Alle drei Silvaner. Alle drei vom Muschelkalk Dertingens. Alle drei direkt gepresst. Was sie unterscheidet, ist das Rebalter, die Lagenherkunft und das Fass.

 

3 Täler

Silvaner aus Reben zwischen 15 und 35 Jahren auf leichten Muschelkalkböden. Trauben aus mehreren Parzellen über drei Täler hinweg, daher der Name. Ausbau in Eichenfässern zwischen 225 und 1200 Liter. Der jugendlichste, lebendigste der drei. Ein Wein, der die Tür aufmacht.

 

Autochton

Eine Stufe tiefer und konzentrierter. Reben zwischen 35 und 60 Jahren auf besonders mageren Muschelkalkböden. Mehr Tiefe, mehr Mitte, mehr Schweigen. Ausbau ebenfalls in Eichenfässern von 225 bis 1200 Liter. Das ist Max' Aushängeschild für die Sorte — ein Wein, der mit Stille arbeitet.

 

Neuenberg

Sein Einzelstück. Eine einzige Parzelle, das Gewann Neuenberg, 40 Jahre alte Reben, magerer Muschelkalk. Ausbau in einem einzigen 600-Liter-Eichenfass — mehr gibt es davon nicht. Ein Wein aus einem Fass, einer Lage, einer Idee.

 

Das 6er-Paket — die Silvaner-Studie plus das volle Repertoire

 

Wer Max nicht nur über den Silvaner kennenlernen will, sondern in der ganzen Breite, dem lege ich das 6er-Paket ans Herz. Drei fein ausgewählte zusätzliche Weine, die zeigen, was er außerhalb seiner Silvaner-Studie kann — und wie durchdacht er mit Cuvées und Vinifikation umgeht.

 

Hauswein 2022

Cuvée aus Müller-Thurgau und Silvaner, von Reben zwischen 7 und 40 Jahren — eine bewusst breite Spanne, jung und alt zusammen. Was den Wein interessanter macht, als der Name vermuten lässt: er kommt aus zwei Bodenformen, leichtem Muschelkalk und Buntsandstein, also genau der geologischen Brücke, die die Tauberfranken-Lagen ausmacht. Direktpressung, Ausbau zweigleisig in Eichenfässern (225 bis 1200 Liter) und im Edelstahl. Ein Alltagswein, der viel mehr in sich trägt, als sein Name verspricht.

 

Pur Jus 2022

Max' interessanteste Cuvée. Kerner und Gewürztraminer, Reben zwischen 10 und 50 Jahren, auf leichten bis mittelschweren Muschelkalkböden. Der eigentliche Trick steckt in der Vinifikation: der Kerner wird direkt gepresst, der Gewürztraminer dagegen auf der Maische vergoren. Zwei völlig verschiedene Methoden derselben Lese, danach im selben 1200-Liter-Eichenfass zusammengeführt.

Das gibt dem Wein die spezielle Doppelnatur: die Klarheit und Saftigkeit eines direkt gepressten Weißen, kombiniert mit der Phenolik, Würze und Tiefe eines Maischeweins. Floral, expressiv, mit einer leichten Orange-Anmutung, ohne ein klassischer Orange Wine zu sein.

 

Rouge 2021

Seine rote Antwort auf die Region. Cuvée aus rund 85 % Pinot Meunier (Schwarzriesling, in Tauberfranken seit jeher zuhause) und 15 % Pinot Noir. Reben auf Muschelkalk und Buntsandstein. Leicht, würzig, präzise — keine Wuchtigkeit, keine Holzlast. Eine sehr eigene Lesart eines klassisch-fränkischen Roten, gemacht mit derselben Zurückhaltung wie seine Weißen.

 


Wie ich es verkosten würde

 

Alle drei Flaschen zusammen öffnen und im Microdosing über mehrere Tage begleiten. Kleine Schlucke, viel Zeit dazwischen. Genau in dieser Langsamkeit zeigt Silvaner, was er kann — laute Aromen werden leiser, Unscheinbares wird wahrnehmbar, der Boden tritt nach vorne, wo am ersten Abend noch Frucht stand. Drei, vier Tage geben, und die Weine erzählen Dir Geschichten, die sie am ersten Schluck noch zurückhalten.

Eine echte Erweiterung der Wahrnehmung. Genau dafür ist diese Reihe da.

 


Im dritten Teil der Silvanerultras geht es weiter — eine Stimme aus einer anderen Ecke Frankens.

 

Bis dahin: trinkt aufmerksam.

 

Alexander Zülch

 

 

SILVANERULTRAS - Maximilian Baumann

Das 3er Paket mit dem klaren Silvaner-Fokus!

 

2022 Drei Täler

2022 Autochtone

2022 N*U*NB*RG

 

77,00 €

34,22 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

Kennenlernpaket - MAXIMILIAN BAUMANN

Ein 6er Kennenlernpaket von Max sein Wein:

 

2022 Hauswein 

2022 Pur Jus

2021 Rouge

2022 Drei Täler

2022 Autochtone

2022 N*U*NB*RG

 

137,50 €

30,56 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1

# 1 Weinbau Kraemer öko.logisch

Stephan Krämer — Auernhofen, Taubertal

 

Wer in Deutschland ernsthaften Silvaner denkt, denkt zuerst an Würzburg. Aber die für mich derzeit eigenständigste Stimme der Sorte kommt aus einem stillen Winkel — dem fränkischen Taubertal, ein paar Autominuten von Rothenburg ob der Tauber entfernt. Der Hof in Auernhofen ist kein klassisches Weingut.

 

Es ist ein landwirtschaftlicher Mischbetrieb mit rund 90 Hektar Ackerbau — Getreide, Feldgemüse, Leguminosen, alles Naturland-zertifiziert seit Ende der Achtziger, als das in Franken noch Kopfschütteln auslöste.

 

Lediglich vier Hektar davon sind Wein, dafür aber steil. Diese Konstellation ist der Schlüssel zu Krämers Haltung: er ist wirtschaftlich nicht zwingend vom Wein abhängig. Er kann sich erlauben, was viele sich oft einfach nicht trauen.

 

Und genau hier kommt etwas hinzu, das man bei kaum einem anderen Winzer in dieser Konsequenz findet: Stephan denkt vom Boden her — nicht im Marketingsinn, sondern aus jahrzehntelanger ackerbaulicher Praxis.  Wer 90 Hektar Getreide, Gemüse, Leguminosen ökologisch durchhält, weiß über Bodenbiologie, Humusaufbau, Wurzelräume und Mikroökosysteme Dinge, die man in keiner Winzerschule lernt. 

 

Im Keller geht es weniger um Radikalität als um Neugier — und um eine bemerkenswerte Angstbefreitheit gegenüber dem, wohin sich Stilistik pushen lässt. Spontangärung, Anteile aus offener Maischegärung und intrazellulärer Gärung, keine Temperatursteuerung, keine Schönung, unfiltriert, Schwefel nur ganz am Ende und in winzigen Dosen. Ausbau über mindestens ein Jahr auf der Vollhefe — in fränkischen Stück- und Halbstückfässern eines lokalen Küfers, für die Reserven bis zu zwei zusätzliche Jahre im gebrauchten Burgunder-Barrique. Das ist nicht aus Pose so, sondern aus konsequentem Weiterdenken: Was passiert, wenn man weniger eingreift, länger wartet, mehr zulässt? Die Antworten stehen jetzt in den Flaschen.

 

Zwei Steillagen, zwei Gesteine — und genau diese Konstellation macht den Hof für diese Reihe so wertvoll:

 

Tauberzeller Hasennestle — reiner Muschelkalk. Kühl, saftig, salzig, mit einem Klang von feuchtem Stein.

 

Röttinger Feuerstein — durchzogen von Adern aus Graphit und Silex. Schärfer, archaischer, fast rauchig.

 

In der ältesten Parzelle stehen Reben, die 1968 gepflanzt wurden — fast sechzig Jahre Wurzelwerk in einem Gestein, das in Franken sonst nirgends so vorkommt. Aus dieser Parzelle entstehen die intensivsten Silex-Weine des Hofes. Und sie ist auch die Quelle eines Weines, der eine eigene Rolle spielt.

 

Die Solera als UFO

 

Bevor wir zu den Jahrgängen kommen: Die Solera spielt in diesem Paket eine eigene Rolle.

Sie ist eine Fünf-Jahrgangs-Cuvée aus den Jahrgängen 2018, 2019, 2020, 2022 und 2023 — gewonnen aus den besten Silex-Barriques jener ältesten Parzelle des Röttinger Feuerstein, deren 1968 gesetzte Reben oben schon erwähnt wurden. Damit ist sie technisch ein Silex, aber einer, der die Jahrgangsfrage hinter sich gelassen hat. Stephan hat 2018 begonnen, einzelne Barriques zu selektieren und separat reifen zu lassen; im Herbst 2024 wurde die zweite Füllung unfiltriert und ungeschönt auf die Flasche gebracht.

 

Phenolisch, zart oxidativ, hefig, knochentrocken, salzig, mit deutlichem Grip aus der Maischestandzeit. Reife gelbe Früchte, frisches Brot, Nuss, rauchige Mineralik. Mit Luft öffnet er sich noch tiefer ins Steinige hinein.

 

Über dem Paket schwebt sie wie ein UFO. Und sie hält locker sieben Tage offen — was sie zum perfekten Begleiter über die gesamte Verkostungswoche macht. Jeder Schluck verändert die Wahrnehmung der Jahrgänge, die gerade danebenstehen.

 

Die drei Jahrgänge

 

2015 — trocken, warm. Konzentriert, dicht, fast dunkel.

2016 — ebenfalls warm, aber feiner balanciert. Spannung statt Wucht.

2019 — die Brücke dazwischen.

 

Was diese Weine mit den Jahren auf der Flasche entwickeln, ist schwer in Worte zu fassen. Würziger werden sie, struktureller, weniger gefällig — und gerade dadurch bedeutender. Die Aromenneutralität, die Silvaner im jugendlichen Stadium so unscheinbar wirken lässt, kippt mit Reife in pure Tiefe.

 

Krämer sagt selbst, er mache „Weine für Winzer:innen und Freaks". Das ist tiefgestapelt. Es sind Weine für alle, die bereit sind, einer Flasche länger zuzuhören als drei Schlucke lang. Ich habe mit Stephan zwei Pakete zusammengestellt. Eins zum Einstieg und eins für alle, die tiefer rein wollen.

 

Wie verkosten?

 

Tag 1 — die Silex-Vertikale. Alle drei Silex (2015, 2016, 2019) nebeneinander öffnen, dazu die Solera. Was hier passiert, ist die Reise eines einzigen Gesteins durch drei Jahrgänge und eine zeitlose Verdichtung. Die Solera wirkt dabei wie eine Bezugslinie, an der sich die Einzeljahrgänge messen lassen.

 

Tag 2 — die Muschelkalke dazu. Nach kurzer Pause die beiden Muschelkalk-Silvaner aus dem Hasennestle öffnen. Die Silex-Flaschen vom ersten Tag stehen noch daneben. Jetzt entsteht das volle Bild: zwei Gesteine, drei Jahrgänge, plus der Solera-Anker, der die ganze Woche durchhält.

 

Microdosing über mehrere Tage hinweg, kleine Schlucke, viel Notieren. Die Weine verändern sich von Tag zu Tag, und Du Dich mit ihnen. Das ist eine echte Erweiterung der Wahrnehmung.

 

Im zweiten Teil der Silvanerultras geht es weiter — ein anderer Winzer, dieselbe stille Obsession.

 

Bis dahin: trinkt aufmerksam.

 

 

Alexander Zülch

 

Kennenlernpaket - KRAEMER ÖKO.LOGISCH

 

Ein Querschnitt durch Stephan Krämers Schaffen. Sechs Flaschen, die exemplarisch zeigen, wie weit sein Repertoire reicht. Wer Krämer noch nicht kennt, fängt hier an.

 

Keuper & Kalk — selten begeisterte ein Einstiegwein mehr

2020 Rosé — falscher Name für einen ultrazarten Pinot Meunier

2023 Müller-Thurgau "Muschelkalk" — mineralischer Fingerabdruck

Silvaner N.V. (Gutsweinniveau) — Unverstellt.

Silvaner Alte Reben 2020 — die alten Reben lassen das Terroir singen

Silvaner Solera N.V. — The Truth is out there!

 

DE-OKO-005

144,00 €

32,00 € / L
  • nur noch begrenzte Anzahl vorhanden
  • 1 bis 2 Tage1

SILVANERULTRAS - Stephan Kraemer

Das hier ist der eigentliche Anlass dieser Mail.  Sechs Flaschen, die das gesamte Spektrum aufspannen, wozu Silvaner als Terroirrebsorte fähig ist. Direkt vom Weingut, mit Reife auf der Flasche — solche ein Angebot gibt es sonst im Handel nicht mehr.

 

 

Silvaner Muschelkalk 2015

Silvaner Muschelkalk 2016

Silvaner Silex 2015

Silvaner Silex 2016

Silvaner Silex 2019

Silvaner Solera N.V.

 

 DE-OKO-005

245,00 €

54,44 € / L
  • verfügbar
  • 1 bis 2 Tage1