NEWSLETTER 2020

#127 - Renaud Boyer (Burgund naturally)

Bodenständiges Burgund. Für mich verkörpert Renaud Boyer dies wie kein Zweiter.  Vollkommen ohne Affekt. In Ruhe fließend wie ein Bachlauf mit quellfrischen Gedanken. Ich habe lange nach solch lebendigen Burgunderweinen gesucht.

 

Renaud Boyers Weinkeller ist im Herzen von Meursault, aber die biodynamisch bewirtschafteten 5 ha Weingärten befinden sich um Beaune, in Saint Romain und in Puligny. Renaud Boyer konnte diese von seinem Onkel in Pacht übernehmen. Dieser hatte bereits seit 1986 biologisch gearbeitet!

 

Seit seinem ersten Jahrgang in 2004 arbeitet Renaud Boyer auch im Keller ohne jegliche Hilfsmittel und komplett ohne Schwefel.

 

Das erfordert Behutsamkeit, Präzision und Feingefühl. Manchmal erfordert es auch Geduld und Demut. Absolute Charakterweine, die sowohl das Burgund als auch die zunehmend langweiliger werdende Diskussion über den vin naturel angenehm transzendieren. Große Gewächse, große Energie!

 

Der Puligny-Montrachet, der mit dem letzten Jahrgang Begeisterungsstürme ausgelöst hat, gärt heuer noch ein wenig... so ist das manchmal. Er wird im laufe des nächstens Frühjahres zu uns kommen. Ansonsten ist der  Jahrgang 2019 nun auf dem Weg und auch die zweite Füllung des genialen Saint Romain blanc von Renaud Boyer aus Jahr  2018 von dem ich noch ein paar Flaschen ergattern konnte.

 

Heute kein Paket, alle Weine können einzeln bestellt werden!

#126 - Tennstedt / Rietsch (Northern Lights)

Weingut Jakob Tennstedt

Jakob Tennstedt macht Weine im versteckten Kauterbachtal. Ein vergessenes Seitental der Mosel. Ein freundlicher und ruhiger Mensch, aber mit gehörigem Tiefgang.

 

Hier werden alle Schritte richtig gemacht. Zunächst die Auswahl eines genialen Terroirs. Feine Grauschieferböden, wurzelechte über 100 Jahre alte Reben. Es hat nur einen Nachbarn; keinen geringeren als Martin Müllen. Der Rest ist Wald und Wild. Warum so wenige der "Einheimischen" dieses Potential ergreifen bleibt mir Schleierhaft.

 

Ausbau ohne jegliche Zusatzstoffe in den traditionellen Moselfudern. Neue Fässer wurden fein ausgewählt für die Ewigkeit; die Älteren sind gut erhaltene Unikate aus den 1960er Jahren. Der Wein darf solange reifen, wie er benötigt. Im Allgemeinen über zwei Winter, wie früher, aber in Einzelfällen durchaus auch länger. Dann wird  er ohne Filtration und ohne Schwefel auf die Flasche gebracht.

 

Gehört mit einem Handstreich klar zum Besten was ich aus Deutschland seit langer langer Zeit verkosten durfte. Für mich geht das in die Richtung der Weine eines Stephane Bernaudeau oder ähnlich genialer Tropfen, nur halt durch das Prisma des Rieslings getrunken. Faszination pur.

 

ANGEBOT AUF ANFRAGE

Domaine Rietsch

Über Jean Pierre Rietsch habe ich schon viel geschrieben. Für mich gehört er zu den spannendsten Winzern im Elsass mit einer Meisterschaft in allen erdenklichen Weinstilen. Für die Herbst/Winterzeit 2020 habe ich mich beim Einkauf auf seine Rotweine konzentriert. Mit Ausnahme des genialen 2017er Riesling "Stein" und des tonisch aromatischen und raren Muskateller "Murmure".

 

Hinreißende Pinot Noir mit einem ganz eigenen Stil. Angefangen mit dem lebensfrohen Tout rouge in der Literflasch, mit dem man herrlich den grauen Alltag zelebrieren kann. Der feine 2019er Pinot Noir ein Paradebeispiel für die Rebsorte und der 2019 Pinot Noir "Vieilles Vignes" ein tiefer, dichter und eleganter elsässer Pinot Noir. Getoppt wird das ganze vom 2018er Stierkopf - einem Pinot Unikat von Burgunderklonen.

 

Ich habe also ein Rotweinpaket geschnürt - Alles Rot Alles Rietsch. Natürlich kann jeder Wein auch einzeln eingekauft werden. Folgt dazu dem LINK zur DOMAINE RIETSCH!

#125 - Pedres Blanques (Southern Stars)

 

Das junge japanische Pärchen Rie & Hirofumi Shoji machen nur einen einzigen, dafür aber hocheleganten Rotwein von ihrem Weinberg in den Höhenlagen zwischen Banyuls und Collioure. Pedres Blanques heißt "Weißer Stein" auf katalanisch und steht für den großen Weißen Stein der auf der Spitze des Weinbergs trohnt.

 

Die beiden haben sich in der Weinbauschule im Burgund kennen gelernt. In der Region konnten sie einges an Erfahrung im Weingarten und bei der Vinifikation sammeln. Hiro hat beispielsweise 6 Jahre lang an der Seite von Fred Cossard gearbeitet. Seit 2017 nun sind die beiden in Banyuls. Berühmt für seine atemberaubende, windige und wilde Natur!

 

Ihr Rotwein aus Grenache(s) gekeltert, besitz einen kühlen Antrunk und wartet mit für die Region selten erreichter Frische auf. Das Ziel ist es, einen zarten aber gleichzeitig tiefen und eleganten Wein zu keltern. Mit dem ersten Jahrgang haben die beiden bereits einen sehr weiten Sprung in diese Richtung gemacht. Mit dem zweiten Jahrgang legten sie noch eine Schüppe mehr an Eleganz drauf.

 

 

Im Jahr 2019 haben Rie & Hirofumi etwa 40% ihrer Ernte verloren. Die Qualität der Trauben war aber hervorragend. Der neue Jahrgang wurde im Vergleich zu den Vorjahren doppelt so lang in gebrauchtem Holz ausgebaut, was der Entwicklung der Aromen sehr zu gute gekommen ist. Seriöser und weiniger; aber mit der gleichen sanften Tiefe. Der Wein zeigt mehr innere Ruhe. Hier entsteht ein großer südfranzösischer Wein !

#124 - Alice & Olivier de Moor

Alice & Olivier de Moor ©aaronascough
Alice & Olivier de Moor ©aaronascough

Wein machen. So einfach wie möglich! Das ist das bescheidene Ziel von Alice & Olivier de Moor. Sie wollen vor allem die hohe Qualität ihrer Trauben sprechen lassen. So unverfälscht wie nur irgend möglich, um einen gesunden, einen lebendigen Wein auf die Flasche zu zaubern. Das Handwerk ist zuvorderst unermüdliches arbeiten im Weingarten; und die beiden werken und wirken hier im Chablis bereits seit einem viertel Jahrhundert! (seit 2005 biologisch zertifiziert)

Mit dem Jahrgang 2017 konnte sich die Domaine um 2 ha Premier Cru – Lagen auf knappe 10 ha vergrößern. „Wenn die kleinen Weinbauern kommen und plötzlich in Premier Cru Lagen arbeiten, bekommt die Chablis-Aristokratie langsam Sorgen“ lächelt Olivier de Moor verschmitzt und sichtlich zufrieden. Es ist wahr. Für mich sind die Weine der de Moors soetwas, wie die neue alte Schule des Chablis. Die Aromen sind feingliedrig und die Weine bleiben selbst mit der Konzentration des 2018 Jahrgangs tänzelnd und beinahe leichtfüssig. Der Gaumen ist druckvoll und hat immer einen erhabenen Spannungsbogen mit ordentlich Grip! Etwas vom Besten, dass man aus dem Chablis trinken kann.

Auf Kimmeridge Kalkstein stehen die knorzigen Chardonnay Reben des Mont de Millieu von Morgensonne durchflutet. Teile dieses unter Kennern sehr beliebten etwa 35 ha umfassenden 1er Cru widerstanden dem großen Frost von 1956, dem damals ein Großteil der Reben im Chablis zum Opfer fielen. Daher findet man hier zum Teil sehr alte Rebbestände. Dank eines ständigen leichten Windes, können die Trauben gerade zur Erntezeit perfekt ausreifen. Die Parzelle ist seit einigen Jahren biologisch bewirtschaftet und der Deal ist, dass Alice und Olivier neben ihrem eigenen Wein, den Besitzern  der Parzelle einen Teil der Trauben abtreten. (franz. Méteyage)

Weiter im Norden, direkt im Tal hinter Courgis nahe Poinchy gelegen, befindet sich die zweite Parzelle - der 1er Cru Vau de Vey! Diesen Weingarten konnten Alice & Olivier de Moor komplett übernehmen und haben mit dem ersten Jahrgang angefangen die Reben auf biologischen Anbau umzustellen. Der Boden hat schon mit den ersten zwei Jahren enorm an Vitalität gewonnen. Olivier schimpfte wie ein Rohrspatz, als ich das letzte Mal zu Besuch war. Gerade hatte sein Traktor den Geist aufgegeben. Natürlich Freitags und dann noch am späten Nachmittag!

 Auch wenn man ihr hin und wieder Tribut zollen muss, so ist diese sehr steile Lage (Foto oben Mitte) doch der absolute Stolz der beiden Ausnahmewinzer. Mein Eindruck ist, dass die beiden hieraus in Zukunft ihren vielleicht größten Wein keltern werden. Wenn man die kargen Kimmeridgkalkböden empor kraxelt und ein kühlender Wind einem um die Nase weht, drängt sich das förmlich auf.

Im Keller wird von jeher auf önologische Hilfsmittel verzichtet. Die Weine werden ohne Schönung und Filtration auf die Flasche gebracht. Dabei sind Alice und Olivier de Moor nicht dogmatisch. Sie werden einem Wein mehr Schwefel geben, wenn sie um seine Stabilität fürchten. Sie werden filtrieren, wenn es sich trotz aller Anstrengungen nicht vermeiden lässt. Das Ziel ist es, einen gesunde, lebendigen und langlebigen Wein auf die Flasche zu bringen.

 

Ich werde nicht müde darauf hinzuweisen, dass aus meiner Sicht solche Entscheidungen essentiell sind und für mich die Spreu vom Weizen bei den Winzern trennt. Nicht immer sind diese Entscheidung offensichtlich, und sie werden von guten Winzern niemals leichtfertig getroffen. Die Sensibilität, das Feingespür und die Nerven der Winzer entscheiden.

 

Heute im Angebot: Im 3er More de Moor Packet habe ich neben den beiden neuen 2018er Premier Crus noch eine Flasche 2018 Bourgogne blanc der Vendageurs masqué beigelegt. Lassen Sie gerade die Premier Crus nach dem Kauf noch ein paar Monate ruhen. Angebot limitiert - nur solange der Vorrat reicht. Die Weine können auch einzeln bestellt werden!

 

Es ist eine gute Zeit, jedes Mal wenn eine Flasche de Moor entkorkt wird. Chablis Kalkstein Quintessenz!

#123 - Clement Baraut / Julien Delrieu

Heute geht es wieder an die Loire!

 

Der 2019er Jahrgang von Cheninmönch Clement Baraut ist Anfang der Woche frisch auf Lager eingetroffen. Neben seinen expressiven und puren Weißweinen aus den Lagen im Savenniers hat Clement in diesem Jahrgang ebenfalls herausragende Rotweine gekeltert, die an Zartheit, Würze und Tiefe selten übertroffen werden. Reinsortige Grolleau Noir par excellence von uralten Weingärten.

 

Nach langen Jahren als "Garagenwinzer" konnte Clement im Sommer diesen Jahres endlich in sein eigenes Weingut im Herzen von Bonnezeaux umziehen. Hier konnte er von einem befreundeten Winzerpaar die in den Rundestand gehen die Kellergebäude übernehmen. Als ich zu Besuch kam, war er gerade den ersten Tag eingezogen; daher habe ich auf Fotos verzichtet. Ich war eh voll konzentriert auf sein mehr als gelungenes Sortiment. Alle Weine strahlen brillant - ein Gamechanger!

Ich bin unendlich froh euch heute auch mal wieder ein neues Weingut der Region vorstellen zu dürfen. Befeuert durch eine mehrstündige Blindverkostung bei Stephane Bernaudeau (dessen Weine im Frühjahr 2021 wieder auf Lager kommen!) konnte ich die Weine von Julien Delrieu entdecken.

 

Die Tiefe und Präzision seines  Chenin blanc "Pont Borceau" hatten mich nachhaltig beeindruckt. Ein kurzes Telefonat später saß ich bei Julien Delrieu in der Weinscheune. Er hatte gerade seine 2019er auf die Flasche gebracht. Juliens Story findet ihr HIER.

 

Direkt nach der Füllung hat man noch eine kleine Chance "in einen Wein reinzuschauen" bevor er sich für eine Weile verschließt. Aus einer großen Masse heraus zu einem Individuum zu werden stresst ein wenig. Nach ein paar Wochen normalisiert sich dieser "Füllschock" aber wieder.

 

Schnell war klar, dass ich hier ein ganz außergewöhnlichen, ehrlichen und lebendigen Wein probiere. Wir haben beschlossen nach dem Sommer eine erste kleine Bestellung zu machen. Diese ist jetzt da - ich bin auf euer Feedback gespannt!

 

Viel Spaß beim entdecken und erschmecken.

 

Alexander Zülch

 

P.S. Untenstehend das Entdeckerpaket - lediglich der Spitzenwein LES PETITES COULEES von Clement Baraut aus der Grand Cru Lage La Roche aux Moines ist nicht darin enthalten.

ALLE WEINE KÖNNEN AUCH EINZELN GEKAUFT WERDEN. EINFACH DEN LINKS ZU DEN DOMAINE FOLGEN: DOMAINE JULIEN DELRIEU ; DOMAINE CLEMENT BARAUT

#122 - Domaine Buronfosse (Jura)

Peggy & Jean Pascal Buronfosse ©wineterroirs
Peggy & Jean Pascal Buronfosse ©wineterroirs

Neue Weine der Domaine Buronfosse. Peggy und Jean Pascal begeistern uns mit ihren ehrlich handwerklichen Juraweinen. Sie haben in den letzten, teils sehr fordernden Jahren, ihren ganz eigenen Stil gefunden. Dieser reflektiert für mich ein sehr ursprüngliches Jura ohne Firlefanz und TamTam. Ein Ruhepol in dieser hippen Region, aber nicht weniger gefragt.

Den Weinen wird Zeit zugestanden, trotz finanzieller Engpässe wird schonmal über mehrere Jahre ausgebaut. Der Qualität des Produktes wird absoluter Vorrang eingeräumt. Das ist in unserer schnelllebigen, von scheinbar ausschließlich kapitalistischen Interesse getriebenen Zeit äußerst selten geworden.

Der Jahrgang 2018 war von der Erntemenge nach dem quasi-Totalverlust von 2017 ein wahrer Segen! Doch durch die lange Trockenperiode ohne Regen war die Vergärung der Weine langwierig und fragil. Peggy und Jean Pascal haben also entschieden den Weinen ein wenig mehr Schwefel zu geben als normal. (etwa 20-30mg/L im Vrgl. zu 0-10mg/L) Ein absolut richtiger Schritt, um einen lebendigen Wein herzustellen, der uns lange Freude bereitet.

Mit solchen, teils schwierigen aber wohlüberlegten Entscheidungen trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Winzern. Man findet noch zu oft fragile Weine, die auf die Flasche gebracht wurden, lediglich um einer bizarren Idee von Natur zu huldigen. Dabei steht doch beim lebendigen Wein, beim vin vivant, der Mensch ganz klar im Vordergrund. Das Optimum ist es einen Wein ganz ohne Zusatzstoffe stabil auf die Flasche und zum Kunden zu bringen! Das geht nicht in jedem Jahrgang und nicht mit jedem Wein. Jeglicher Dogmatismus steht dabei unserem Hedonismus im Weg und das muss ja nicht sein ;-)

Der Jahrgang 2019 gab eine wunderschöne, aber durch Frühfröste erneut um 30% kleinere Ernte. 2020 tut sich momentan recht vielversprechend an. Also Chapeau Peggy und Jean Pascal Buronfosse und auf viele weitere Jahrgänge ehrlicher, authentischer und hochwertiger Juraweine!!!

DIE WEINE KÖNNEN AUCH EINZELN BESTELLT WERDEN. BITTE DEM LINK FOLGEN!

#121 - Cidrerie Le Vulcain

 

Wenn du Cidre der Extraklasse suchst, geht kein Weg an der Cidrerie du Vulcain und ihrem symphatischen Besitzer Jaques Perritaz vorbei. Im Schweizer Jura, nahe dem Lac de Neuchatel liegen die beindruckend hochgewachsenen Obstbäume der Cidrerie du Vulcain. Aus alten, lokalen Sorten von unbehandelten Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen keltert Jaques Perritaz seit 2006 seine mittlerweile weltweit begehrten, außergewöhnlichen Cidre.

 

Das terroir fribourgeois ist eine schützenswerte Kulturlandschaft mit kühlem Klima und unterschiedlichsten Bodenformationen. Beste Voraussetzungen für eine nuancenreiche Aromenentwicklung der hier wachsenden Früchte. Diese werden pur und unverfälscht verarbeitet, mit den natürlichen Hefen vergoren und nur sehr gering, manchmal gar nicht geschwefelt.

#120 - Domaine Antoine Sanzay (Saumur)

Die Weine von Antoine Sanzay gehören zu den besten der Region, das bestätigt sich bei jedem Besuch von mir erneut. Steigt mit uns gemeinsam in den Tuffsteinkeller unter dem Haus hinab, um den neuen Jahrgang zu verkosten! Allgemeine Informationen über die Domaine findet ihr HIER.

Mit jedem neuen Jahrgang dreht Antoine Sanzay ein bisschen weiter an der Qualitätsschraube. Mit jedem neuen Jahrgang differenziert er seine Weingärten mit Gefühl weiter aus. Mit jedem neuen Jahrgang passt er seine Vinifikation perfekt an die Gegebenheiten des Jahres an. Großartiges Handwerk!

Wir verkosten zunächst die Roten. Schon der Einsteiger Saumur Champigny "Domaine" ist enorm ausdrucksstark. Ein hedonistischer Wein voll reifer dunkler Frucht mit weißem Pfeffer und blauen Blütennoten. Der Wein wird ausschließlich im großen Betontank ausgebaut und behält so wunderbare Frische und Spannung. Das ist ein Paradebeispiel für einen Cabernet franc und ein genialer Rotwein obendrauf!

Mit den Lagenweinen beginnen wir die Charakterstudien des Cabernet franc. Mein Favorit ist der feingliedrige Saumur Champigny "La Haye Dampierre" - immer subtil, still und floral. Die Trauben werden entrappt und die ganzen Beeren vergären für etwa drei Wochen, bevor sie gepresst und im großen Betonei ausgebaut werden. Pures und elegantes Tannin des Cabernet franc.

Der Samur Champigny "Les Salles Martin" ROUGE stammt von den sandigen Böden bei Saint Cyr en Bourg. Haben wir beim Haye Dampierre dunkle Cassisfrucht vorherrschend, zeigt der Les Salles Martin sich elegant mit roter Kirschfrucht und zartem Süßholz. Diese "pinotesquen" Tendenzen werden durch den Ausbau im Keramikgebinde weiter fokussiert. Das wird ein großartiger Wein mit etwas Reife auf der Flasche! Limitiert.

Der Große Saumur Champigny " Les Poyeux" aus der berühmten Lage darf immer ein Jahr länger reifen und ist somit Jahrgang 2017. Antoine hat den Holzeinsatz hier zurückgenommen und der Wein darf sich außerdem noch 6 Monate im großen Betontank affinieren und harmonisieren. Für mich ist 2017 daher der wahrscheinlich beste Poyeux den Antoine bisher auf die Flasche gebracht hat. Er hat die Statur eines großen Weines. Massiv, dunkelfruchtig mit Noten von Kakaobohne. Am Gaumen lang anhaltend mit hochfeinen und ungestört fließenden Tanninen. Herausragend.

Danach probieren wir die Weißweine. Alles reinsortige  Chenin blanc. Sie machen eine vergleichsweise kleine Menge der Produktion aus und sind dementsprechend rar. Der Jahrgang 2018 war eher ein Rotweinjahr; viele Weißweine der Region sind stark konzentriert und haben wenig Säure. Das war auch mein erster Eindruck bei Antoines Weißweinen; aber bei der Nachverkostung muss ich mich hier etwas revidieren. Ich glaube, das die Weine Zeit auf der Flasche brauchen um ihre Konzentration zu harmonisieren. Die guten Anlagen mit feinem Gerbstoff und vibrierender Mineralität stützen die luxuriöse Frucht. Die Schlüssel zum Erfolg waren die Arbeit im Weingarten, der Erntezeitpunkt und ein sensibler Ausbau. Die Weine sind Langstreckenläufer und perfekte Speisenbegleiter.

Der Saumur "Les Salles Martin" BLANC zeigt sich auf Textur mit tropischen Noten und feinen nussigen Anklängen. Ausbau findet im 600L Holzfass von bester Provenance statt. (1/3 neues Holz) Danach darf der Wein sich für mehrere Monate im Edelstahltank harmonisieren. Eine Bressepoularde dürfte ihm als Begleitung gut stehen.

Den Saumur "Les Essarts" findet man nicht so häufig. Nur kleine Mengen dieses großen Chenin blanc von einer neuen Parzelle mit Kalksteinböden. Ganz Frucht und Mineral, verträgt er sich aufs vorzüglichste mit dem blauen bretonischen Hummer, der gerade Saison hat! Mit etwas Reife würde ich diesen Wein aber gerne auch solo über einen Abend genießen. Und mit solo meine ich allein mit mir selbst.

 

#119 - Domaine Rietsch (Elsass)

Jean Pierre Rietsch
Jean Pierre Rietsch ©wineterroirs

Diese Woche sind wir im Elsass, das sich zu einer enorm spannenden Region mit vielen jungen Winzertalenten entwickelt. Dazu bald mehr. Heute sind wir in Mittelbergheim bei der Domaine Rietsch, die ich mittlerweile klar zu den besten Domainen der Region zähle. Jean Pierre Rietsch hat über die letzten Jahre eine Art Meisterschaft in der Weinherstellung erreicht. Das Fundament bildet die Arbeit im Weingarten, die sich auf den Erhalt eines Gleichgewichts zwischen Boden, Pflanze & Klima konzentriert. Neben der biologischen Wirtschaftsweise mit absolutem Verzicht jeglicher synthetischer Produkte im Pflanzenschutz wird besonders der Bodenbearbeitung Aufmerksamkeit geschenkt. Und wenn ich von Bearbeitung spreche, dann meine ich die schonendste und intelligenteste Weise. Einsaten unterschiedlicher Gräser und Kräuter erhöhen die Biodiversität. Der Boden wird nur selten gestört und wenn dann auf "sanfte" Weise im Oberboden mit dem Pferd. Die Natur verrichtet auf wundersame Weise ihr Werk. Wenn man durch die Weingärten von Jean Piere Rietsch schreitet, sprühen sie förmlich vor  Energie und Leben.

Im Keller folgt dann das sensible Nichtstun. Der Zengeist! Die Reduzierung auf das Minimum an nötigen Eingriffen. Eine wache Aufmerksamkeit. So wird jeder Wein ganz individuell, eigenständig und fein. Das ein Winzer die gesamte Klaviatur von Schaumwein, Trinkwein & Terroirwein in weiß und rot bis hin zum maischevergorenen Wein so versteht zu spielen wie Jean Pierre Rietsch ist ganz außergewöhnlich. Jean Pierre ist zu einem der spannendsten Weinbauern im Elsass geworden. Rietsch the top - überzeugt euch selbst!