So
03
Jun
2012
Weiter gings ins Roussillon - immer eine Art Heimspiel für mich! Um den Stand von Dimitri Glipa tummelten sich viele Leute, doch Dimitri kümmerte sich mit viel Herzlichkeit um jeden Einzelnen von ihnen. Seine Domaine Mas Mudigliza liegt in Saint Paul de Fenouilledes im Herzen des Roussillon und seine Weinberge liegen hier auf Schieferböden und in den Höhenlagen auch auf Granitböden!
Der 2011er CaudaLouis ist sein Weißwein aus den Rebsorten Grenache gris, blanc und Macabeu! Die Füllung war erst vor einer Woche, aber der Wein zeigt sich schon wunderbar frisch mit feinen weißen Blütenaromen und einer ganz klaren puren Frucht. Am Gaumen sehr geschmeidig und vollmundig ohne Säure und ein stützendes Tanninelement vermissen zu lassen. Hier kommen dann auch leicht würzige Noten und elegante Vanille Töne zum Vorschein, die sich harmonisch in den Gesamteindruck des Weines einfügen.
Der 2009er Carmine ist der Rotwein von Mas Mudigliza und Dimitri schafft es hier in dem sehr reifen Jahrgang 2009 einen frischen und fokussierten Rotwein aus Grenache, Carignan und Syrah zu kreieren. Reife schwarze Beerennoten und mineralische Ankläge (viel Graphit, ein gutes Zeichen) vereinen sich mit ätherischen Noten nach Rosmarin und Thymian. Am Gaumen dann jugendlich und lang anhaltend, der Wein ist noch nicht balanciert. Man merkt wie seine ursprüngliche Kraft hin und her oszilliert und er noch etwas Zeit auf der Flasche gut vertragen kann!
Sa
02
Jun
2012
Vive la France! Zum 6ten mal trafen Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber zum alljährlichen Salon der Revue de Vin de France zusammen. Eine der renommiertesten Weinzeitschriften des Hexagon und das schon seit 1927!
Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen! Da ich ansonsten eigentlich überwiegend die sogenannten vin naturel verkoste und trinke, war es mal wieder Zeit den Horizont zu erweitern und über den Tellerrand zu schauen. Es ist sehr selten von Vorteil sich einzuschränken und extrem nur einer einzigen Stömung der Weinwelt zu folgen. Denn Wein ist Vielfalt. Neugier und Offenheit zahlen sich da immer aus!
Bei solch einer umfangreichen Verkostung bleiben aber zwangsweise immer nur die beeindruckensten Weine wirklich im Kopf, und von diesen möchte ich heute berichten.
Fr
27
Apr
2012
„ A bird doesn't sing because it has an answer, it sings because it has a song“ (M. Angelou)
Aufgerufen von Iris Rutz-Rudel vom Weingut Lisson, möchte ich gerne einen Teil zur Weinrally #50 über Naturwein&Konsorten beisteuern. Ich bin gespannt auf viele spannende Blogeinträge zum Thema... Lets go!
Es wurden schon viele Definitionen zum Begriff vin naturel, natural wine oder Naturwein abgegeben. Ich möchte euch nicht langweilen, aber trotzdem ein paar Worte über die Begrifflichkeit verlieren. Danach möchte ich euch meine Eindrücke der Thematik schildern und dabei drei Weine vorstellen. Einen vin naturel aus Frankreich, einen natural wine aus Australien (ja richtig gelesen, Australien) und einen Naturwein aus Deutschland, der nicht so leicht zu finden war!
Der Begriff „Naturwein“ löst regelmäßig, teils hitzig geführte Diskussionen darüber aus, was „das“ nun eigentlich heißen soll. Ist Wein nicht per se ein Naturprodukt? Ist Wein nicht eine kulturelle Errungenschaft?! Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Naturwein und einem Biowein, oder vielleicht einem Terroirwein? Allgemein ist Naturwein ein Biowein! Er ist ein Wein ohne Zusatzstoffe und mit nur minimalem Schwefelgehalt!
So
26
Feb
2012
Verkostet wurde am 11. Februar 2012 in den Fischerklausen am romantisch gelegenen Lütjensee ganz in der Nähe von Hamburg. Dort führen Gerhard Retter und seine Frau ein Kleinod mit herrlicher Küche (Fisch aus dem See und Wild aus den angrenzenden Wäldern). Genial war die Kombination von geräuchertem Aal auf einem Schwarzbrotchip an rote Beetekompott und Meerrettichschaum, die es als Starter nach der Probe gab. Aber nun zunächst zum „anstrengenden“ Teil.
Gleich zu Beginn der Probe sah ich ein älteres Ehepaar mit zwei Ziegenböcklein an der Leine über den zugefrorenen See wandeln. Ich kniff mich kurz in den Arm und merkte, das ich nicht träume. Tatsächlich würden mehr als 20 Jahrgänge Grüner Veltliner des Ausnahmeweinguts Knoll von der Wachau auf mich warten. Was ein Glück, das ich als Jungspund daran teilhaben durfte! Umringt von Weinwissern, F/Weinschmeckern, seriösen Weinvideobloggern, Sammlern und Liebhabern guter Tropfen. Da war ich ganz klar der Pirat!
Aperitif war ein 2010er Kreutles Federspiel, das den vormittäglichen Gaumen auf die folgenden Weine einstimmen konnte. Die Weine waren perfekt temperiert und 3h vor der Probe geöffnet worden.
Di
06
Dez
2011
Heute zur Feier des Tages mal einen Saint - Nicolas - de - Bourgueil im Glas! Diese Appelation liegt am rechten Ufer der Loire und umfasst grob geschätzt 1000ha. Es herrschen sandig-kiesige Lehmböden vor und an den Hängen findet man vereinzelt auch Kalkablagerungen. Die Temperatur ist gemäßigt und zum Teil vom Atlantik beeinflußt.
Was man noch wissen sollte, ist das hier eigentlich nur Rotwein herkommt. Dieser Wein besteht dann zum größten Teil aus Cabernet franc, auch wenn man vereinzelt Cabernet Sauvignon angepflanzt hat! Diese Rebsorte altert erstaunlich gut und hat eine interessante aromatische Bandbreite von Pfeffer, Paprika, animalischen Noten bis hin zu Veilchen und Himbeeren. Die Tannine sind gerade bei unreifem Lesegut oder zu harscher Traubenverarbeitung oft unangenehm präsent. Reifes Lesegut und schonende Traubenverarbeitung bringen aber vollmundige, wohlschmeckende Rotweine, die sich vom Kalbfleisch über Wild oder auch Stiersalamie mit vielen kräftigen Speisen verbinden lassen.
Do
24
Nov
2011
Wie jedes Jahr ist der dritte Donnerstag im November der Tag in dem man denn ersten „Wein“ des Jahrgangs verkosten kann. Diese Mode war zunächst ein Gag der englischen Upperclass, die ins Beaujolais gereist kamen, um für sich und ihre Freunde den ersten Wein des Jahrgangs zu ergattern. Weinrechtlich ist diese frühe Vermarktung eine Ausnahme, sind die Weine ja meist nicht mehr als 8 Wochen alt. Irgendwann in den 50iger Jahren haben findige Geschäftsleute begonnen, diese Idee in großem Stil zu vermarkten. Das ging natürlich auch über den großen Schlund der französischen Kapitale. Kein Geheimnis ist, das die Kellerei Georges Duboef hier maßgeblichen Anteil hatte.
Es ist ein Weinhype, nicht nur in Frankreich. Habe mal irgendwo gelesen, das in den 80er und 90er Jahren der Absatz bei über 50 Mio Flaschen binnen kürzester Zeit lag. Ich habe das noch nie so ganz verstehen können. In der Klasse kann ich durchaus an der Frische, den noch von der Hefe bedeckten, meist rötlichen Fruchtaromen und dem leichten bizzeln am Gaumen gefallen finden. Was aber 90+% dieser Weine auszeichnet sind plumpe, einseitige Aromen. Früher vielleicht mehr Banane (kein Scherz!), heute vielleicht mehr Erdbeerjoghurt. Aber alles irgendwie ohne Herz...
Mi
25
Mai
2011
Das Wochenende lockt mit schönem Wetter und schon Aznavour besang seine Liebe zu Paris im Monat Mai; also wieso denn nicht dahin??? Eventuell weil irgendwelche Idioten 2000m Kupferkabel auf der Strecke Aachen – Lüttich entwendet haben! „Der Zug xy mit dem Ziel Paris Gare du Nord fällt heute aus PUNKT!“ Es gab keine weiteren Informationen und so folgte ich der Herde auf den Breslauer Platz wo etwa 400 Leute darauf warteten anscheinend mit dem Bus zum nächsten Bahnhof nach LIÄSCH gebracht zu werden, wie es von da weiter gehen sollte, vermochte auch der General Crisis Manager nicht zu sagen.
Was macht man in einer solchen Situation? Die Busse wurden natürlich sofort gestürmt und belagert! Der erste fuhr nach etwa 45min ab, der nächste würde bestimmt gleich kommen. Es herrschte Unmut über die Informationslage und die organisation allemand – da musste ich, ganz kurz nur, lachen! Am nächsten Tag fahren und hoffen, das die Kabel bis dahin wieder an der richtigen Stelle angebracht wurden? - Riskant! Also mit gleichgesinnten, ergebnisorientierten Menschen fraternisiert und 10 min später im Mietwagen in Richtung Brüssel unterwegs. (Thanx again)
In Brüssel war der letzte Thalys nach Paris dann auch schon längst abgefahren! Vom Railteam Europe wurde dann binnen kurzer Zeit ein Hotelzimmer in Bahnhofsnähe gefunden und ich würde am nächsten Tag in Paris ankommen... Hunger stellte sich ein! Von meinen Informanten wusste ich von einer netten vin naturel Bar, die ich nun natürlich besuchen wollte!
Fr
01
Apr
2011
Gebettet auf Rosen oder „... die Prinzessin auf der Erbse“!
Weil dieses Thema immer wieder, und besonders in Bezug auf vin naturel, auftaucht, möchte ich heute ein paar Sätze über eine ordentliche WeinLAGERUNG verlieren. Eine gute Lagerung ist für jeden Wein wichtig! Sei es nun ein konventioneller Wein oder ein vin naturel. Beim vin naturel sollte auf diesen Punkt tendenziell etwas mehr Wert gelegt werden. Diese Weine haben häufig sehr geringe Schwefelgehalte, so das sie bei unsachgemäßer Lagerung schneller altern oder sich einfach schlecht entwickeln.
Das heißt jetzt aber nicht, das man gleich einen Weinkühlschrank kaufen soll! Die meisten lagern ihre Weine ja im Keller, und das ist auch sehr gut so. Hat man nur ein warmes Apartment, würde ich empfehlen Weine auch ruhig im Kühlschrank zu lagern. Eine gewisse Zeit bleibt sicher jeder Wein von der Außentemperatur unbeeindruckt, aber er sollte so nicht länger als 3 Monate verweilen. Das schaffen viele Weine die ich mir privat kaufe auch kaum, weil ich ja immer so neugierig bin, wie sie denn schmecken;-)
Die Temperatur ist der erste Faktor den man beachten sollte. Ideal erachte ich eine Temperatur von etwa 15°C! Es kann auch ruhig 3°C wärmer oder kälter sein, kälter ist dabei weniger ein Problem. Der entscheidende Faktor ist die Temperaturschwankung. Der Wein sollte nicht über Nacht 8°C und am Tag 25°C haben, um es mal überspitzt zu sagen. Dann arbeitet er zu stark und kann nicht zur Ruhe kommen. Der Killerfaktor sind die Lambruscoflaschen beim Italiener über der Theke!
Weitere Faktoren sind Licht und Feuchtigkeit. Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, genau wie helle Flaschen, die für schnell zu konsumierenden Wein sind. Der Faktor Feuchtigkeit hängt mit der Flexibilität des Korkens zusammen. Er sollte idealer Weise weder schimmeln noch zu trocken werden. Dann läuft auch mal ne Flasche aus! Sehr alter Wein hat meistens ein wenig Schwund, der natürlich über den Korken diffundiert, aber das ist ein anderes Thema.
Ich mache gerade einen kleinen Test mit einem meiner vin naturel. Eine Flasche liegt in meinem Auto, die andere im Kühlschrank. Ich fahren den jetzt mal 3 Monate spazieren. Dabei wird das Auto über Tag manchmal sehr warm! Also ein echter Härtetest! Danach werde ich die beiden Weine im Vergleich verkosten. Vielleicht hat der ein oder andere ja auch Bock mitzumachen. Danach weiß man mehr;-)
Zusammenfassung:
Lagertemperatur 15°C (+-3°C)
Temperaturschwankungen vermeiden!
Nicht ins Sonnenlicht!
Weder zu trocken noch zu feucht! (60-70% rel. Luftfeuchte)
Hoffe das hilft euch weiter, der Wein wird’s euch danken!
Fr
18
Mär
2011
„Wine of the Freiday“
Im Glas ist ein Rotwein der Rebsorte Grolleau von Olivier Cousin in Anjou! Der Wein hat keinen Jahrgang, da es sich um einen Tafelwein handelt. Einen Tafelwein von zertifiziert biologisch-dynamisch bewirtschafteten Weinbergen. "I like!"
Aber mal ganz von Anfang! Olivier Cousins Domaine liegt etwas südlich von Angers an der Loire. Er bewirtschaftet seine 12ha Weinberge nach dem Grundsatz: Produziere ohne zu schädigen, weder den Menschen, noch die Erde! Die Demeter-Zertifizierung ist eine logische Folge daraus.
Neben Cabernet Franc und Gamay findet sich in seinen Anlagen eben auch Grolleau von sehr alten Rebstöcken. Grolleau ist eine von diesen seltenen und vergessenen Sorten, die im Zuge der Standardisierung ausgerissen werden. Jung ist diese Rebsorte sehr wüchsig und ertragreich, daher denke ich das die interessantesten Weine aus alten Anlagen stammen dürften. Wenn diese verschwinden, haben wir das Grolleau - Erlebniss, welches wir heute haben, für die nächsten 30 bis 60 Jahre verloren, wenn nicht gar für immer!
Nun zum Wein: Ich hatte Ihn schon gestern Abend geöffnet und er zeigte sich anfangs leicht reduktiv. Diese Phase verging sehr schnell, um dann animierende rote und schwarze Früchte zum Vorschein kommen zu lassen. Der Gaumen hat von der natürlichen Kohlensäure leicht gebitzelt. Ich schüttle das immer ein wenig raus, weil mir der Gaumen so besser gefällt. Außerdem hat die Kohlensäure nur eine Art Schutzfunktion und bewahrt die Frische. Ohne CO2 liegt der Wein besser am Gaumen, tiefer gelegt sozusagen! Man merkt ich bin wieder im Pott;-)
Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass der Wein ohne Zugabe von Schwefel, ungeschönt und unfiltriert gefüllt wurde. Ich vermute eine Kohlensäuremaischung mit entweder recht langer Gärdauer, bei kühlen Temperaturen, oder einer, der eigentlichen Gärung vorangestellten Kaltmazeration.
Wie dem auch sei, der Glouglou-Faktor ist extrem hoch und ich musste mich beherrschen bei dem einen Glas zu bleiben. Heute, nach etwa 24h auf meinem Schreibtisch, paaren sich die kleinen süßen Früchte mit einer würzig-blumigen Note, die mich an Veilchen oder Süßholz erinnert. Der Gaumen ist sehr geschmeidig, leicht fleischig und mit einer kühlen Säure unterlegt. Animierend und lang.
Vergießt man mal die ganze Aromadeklination für einen Moment und schaut sich an wie der Wein auf einen wirkt, muss ich sage haben wir hier ein ganz schön lebendiges Tröpfchen. Good vibrations again;-) Dazu würden sehr gut ein paar Lammkotlettes, scharf angebraten mit etwas Salz/Pfeffer und dezent orientalisch gewürztes Gemüse passen.
Gut das Etikett ist diskutabel, aber der Spruch am unteren Rand holt da noch einiges raus :“ Besser den Wein von hier, als das Wasser von dort!“ Sinngemäß heißt das etwa "besser auf der Erde Wein trinken, als im Jenseits Wasser!" In diesem Sinne ein schönes Wochenende!!!
Di
08
Mär
2011
Wir kamen um die Mittagszeit in Saumur an. Der Tag hatte im Nebel begonnen und begann langsam aufzuklaren. Blauer Himmel, Sonnenschein und mit guter Grundlage in Form eines Jambon beurre ausgestattet erwartete uns bereits das Großraumtaxi!
Wir habe es sogar noch geschafft unsere Sachen ins Hotelzimmer zu bringen, bevor es dann in rasantem Tempo über die Landstraße in Richtung Brèzè ging. Das Ambiente dieser Verkostung ist ganz fantastisch! In einem alten Chateau gelegen, dass von einem über zehn Meter tiefen Graben umschlossen ist. Der Clou sind die in den weichen Tuffstein gegrabenen Gänge und Höhlen, die dem ganzen Platz einen steinzeitlichen Anstrich verleihen. Perfekt ergänzt durch die soeben entzündeten Holzfeuer, die riesige Rauchschwaden von sich gaben.
Es war bereits die zwölfte Veranstaltung dieser, als kälteste Verkostung bekannten Weinprobe. In diesem Jahr wurde großer Wert auf eine einigermaßen warme Temperatur gelegt. „Roots, Sweet Roots mais sans les moon boots“ Wir konnten uns nicht beschweren, wir waren optimal temperiert.
Durch die Höhlengänge wandelnd, findet man zwar nicht das Orakel der göttlichen Flasche, aber man hat doch die Möglichkeit seine Nase in unfassbar viele vin naturel zu tauchen. Wer weiß, vielleicht erleichtert ein natürlicher Rausch so manch schwere Entscheidung. Hier hieß es allerdings, wer spucken kann ist klar im Vorteil.
Den Start machte ich, und das sehr gerne, bei meinen Freunden aus dem Roussillon. Es war ja schließlich der TAM TAM von Edouard Laffitte, der mich in Kontakt mit dem vin naturel brachte. Ich hatte diesen Wein damals rein zufällig entdeckt, weil ich am Wochenende gerne etwas ausführlicher koche und dazu immer mal wieder was anderes probiere. Ich wusste nicht, wie er entstanden war. Der Wein war anfangs recht verschlossen (reduktiv) und ungewohnt, öffnete sich aber dann und zeigte über mehrere Tage eine ganz fantastische Entwicklung. Ein richtig lebendiges Spiel. Das hat mich natürlich neugierig gemacht, was und vor allen Dingen wer dahinter steckt. Dabei kam heraus, dass das Weingut etwa 10min von mir entfernt in Lansac lag.
Hier hatte sich Loic Roure (Domaine du Possible) in der alten Cooperative des 100 Seelen Dorfes eingemietet, wohin Ihm Edouard im Jahre 2005 folgte. Durch die beiden kam ich in tieferen Kontakt mit dem vin naturel. Edouard hat erzählt, das seine erste Ernte ihn nicht wirklich zufrieden gestellt hat. Die Weinberge trugen gute Früchte, nur die Arbeit ohne jegliche Additive im Keller war schwieriger als zunächst vermutet. Auch mit seiner langjährigen Erfahrung.
Wenn man sich vorstellt, dass man sich das ganze Jahr, unter schwerem körperlichen Einsatz darum bemüht, gesunde, physiologisch reife Trauben zu ernten; Wenn man mit Wetterkapriolen zu kämpfen hat; Wenn Geräte in den unpassendsten Momenten ausfallen und man darüber hinaus noch den Anspruch hat biologisch zu arbeiten, dann kann man den Mut der Winzer nachvollziehen, im Keller auf jegliche Hilfsmittel zu verzichten und unter Umständen die Frucht dieser ganzen Arbeit aufs Spiel zu setzten!
Mit den Jahren haben die beiden gemeinsam sehr viel gelernt und ihre individuellen Stile heraus gearbeitet. Es ist immer eine große Freude, sie zu treffen, ihre Weine zu trinken und mit Ihnen zu diskutieren. Genauso wie mit dem Neuankömmling Philippe Wies und seiner Domaine La Petite Baigneuse in Maury! Nach etwa zehn Minuten war klar, dass dieses Jahr von jeder Domaine Weine ins Programm kommen. Mit Edouard muss ich da immer etwas feilschen, weil selbst sein 2010 schon fast komplett ausreserviert ist! Vier Monate nach der Ernte und noch weit weg von der Füllung. C'est fou!
Danach sind wir kurz auf die Insel Korsika zu Antoine Arenas interessanten Weinen gesprungen. Das ist wirklich eine Verkostung wert. Dann zurück in die Provence und hin zur Loire, die immerhin 41 Winzer mit drei bis fünf Weinen bereit hielt! Würden wir es schaffen? Nein, würden wir nicht! Aber wir haben eine ganz gute Performance hingelegt! Was mir am Vortag schon aufgefallen war und sich mir heute wiederum bestätigt hat, ist die Faszination, die ich für die Rebsorte Pineau d'Aunis entwickle. Sie zeichnet sich durch eine ganz individuelle Würzigkeit aus, ähnlich aber anders als beim Syrah. Gepaart mit einem, meist mittelschweren Körper erreicht sie einen hohen Glou Glou Faktor. Ich glaube früher wurde diese Rebsorte als Verschnittpartner für den lokalen Rose benutzt.
Viele unbekannte Rebsorten haben, ob ihrer individuellen Charakteristika, die Möglichkeit in den Händen guter Vignerons zu ganz außergewöhnlichen Tropfen zu werden – Gegen die Standardisierung des Geschmacks! Einziger Nachteil ist die geringe Verfügbarkeit, da die Rebflächen dieser Sorten meist verschwindend klein sind. (laut Wikipedia z.B. ~ 430ha für Pineau d'Aunis) Auch gibt es Bestrebungen sie durch bekanntere, vermeintlich profitablere Rebsorten zu ersetzten, dabei liegt unsere Stärke doch in der Vielfalt!
In dieser Hinsicht ist die Domaine von Claude Courtoise und seinem Sohn Julien zu nennen, die neben sehr schönen Weinen aus bekannteren Rebsorten (z.B. die Cuvee Racines aus Cabernet franc) auch hoch interessante Weine aus unbekannten oder verbannten Rebsorten keltert. (z.B. Gascon oder Romorantin) Auch ein sehr schöner und schon etablierter Betrieb, die Domaine des Roches Neuves war vertreten. Charakteristischer Chenin blanc von den Kreideböden und auch ein sehr sehr leckerer Schaumwein namens „Bulles de Roches“!
Weiter mit Herve Villemard, Pierre Breton, Thierry Puzlat und Noella Morantin. Dann kurz in die Auvergne zu Maupertuis und zurück nach Saumur zu den großen Weinen von Antoine Foucault die mich sehr begeistert haben. Mitten drin im Geschehen auch Marc Sibard von der Cave Auge, ein Inconturnable für vin naturel in Paris!
Die Spur meiner Notizen verliert sich irgendwo im Beaujolais, nachdem ich den neuen Jahrgang von Georges Descombes verkosten konnten und auf der Suche nach einem schönen Fleurie war! Ein Bär von einem Winzer hielt in der einen Hand eine Salami und in der anderen eine Flasche. Aus dieser wurde großzügig ausgeschenkt und gleichzeitig herzhafte Scheiben der köstlichen Salami verteilt. Mit seinem Opinel deutete er auf die großen, kreideweißen Fettstücke in den dunkelroten Scheiben hin und sagte: Immer dran denken -fünf Früchte am Tag – hier zwei Äpfel, ein Pfirsich, ne schöne Williamsbirne und – das Glas zum Prost hebend – ein paar Trauben natürlich!
Den Abend haben wir mit den Leuten verbracht, die wir auf der Taxifahrt zurück nach Saumur kennen gelernt haben. So kann das manchmal gehen, der vin naturel, die relaxte Atmosphäre und Genießer auf der Suche nach Nahrung. Neben den vielen Winzern, die ich hier nicht erwähnt habe und von denen es bald lebendige Weine in meinem Sortiment gibt, zeichnet besonders diese Offenheit der Menschen und die Freude am gemeinsamen Genuss die Faszination dieser Tropfen aus.
Vive la convivialite!
Do
24
Feb
2011
Um das was in den folgenden Tagen im Chateau Breze so alles stattgefunden hat auch richtig würdigen zu können, möchte ich ein kleines Zwischenspiel einfügen, das uns den vin naturel näher bringt! Ich möchte euch Licht und Schattenseiten zeigen.
Zunächst mal der Versuch einer Begriffsbestimmung! Ich würde „vin naturel“ oder „natural wine“ mit „natürlicher Wein“ ins Deutsche übersetzten. Mit dem natürlichen habe ich allerdings sofort ein Problem, den auf natürliche Weise würde aus Trauben eigentlich Essig werden. Das ist auch die chemisch stabilste Form! Es handelt sich um einen Wein, der mit dem Anspruch hergestellt wird, ohne jegliche Intervention, sowohl im Weinberg, als auch im Keller hergestellt zu werden. Also einen Wein der möglichst naturbelassen bleibt.
Wein ist aber immer ein Zwiegespräch zwischen dem Menschen und seiner Umwelt! Würden wir die Weinberge nicht bewirtschaften, wäre binnen kurzer Zeit kein Weinberg mehr zu sehen. Aus eigener Erfahrung kann ich anfügen, dass die gemeine Mimose hier eine erstaunliche Hartnäckigkeit zeigt. Auch im Keller entscheidet eine übergeordnete Vision des Weinmachers über den Stil des Weins. Das geflügelte Wort ist Terroir, und meiner Ansicht nach ist die Persönlichkeit des Winzers, neben Boden,Mikroklima etc. der entscheidende Faktor.
Es geht also um den respektvollen Umgang mit seiner Umgebung, dem was uns gegeben ist. Nach einer gewissen Zeit, in der man meint alles zu wissen und verstanden zu haben, entwickelt man eine große Demut vor der Natur. Vor ihren unzähligen Prozessen und Vernetzungen, Symbiosen und Synergien. Man merkt, dass man wohl doch nicht alles verstanden hat. Diese Demut, und die sich daraus entwickelnde Ruhe, konnte ich in vielen guten Winzern wiederfinden. Das ist auch der Anspruch vor dem Ausdruck der Böden zurück zu treten und Sie durch Rebsorte, Mikroklima und Jahrgang sprechen zu lassen!
Mir hat ein Begriff sehr gut gefallen, den ich in der Pariser Weinbar Racines entdeckt habe. Damals noch von Pierre Jancou geleitet. Dort stand auf einer alten Holztafel in verblichenen rötlichen Lettern und mit Krakelee übersät -VIN VIVANT!Das fand ich sehr passend, denn die besten vin naturel zeigen etwas, dass ich als lebendiges Element bezeichne. Sie verändern sich, zeigen sich immer wieder neu und anders. Häufig kann man Wein über eine Woche beobachten bevor sie ermünden. Das und der Respekt der Winzer vor dem Lebendigen selbst haben mich dazu gebracht, mein Unternehmen „Vins Vivants-lebendige Weine“ zu nennen!
In meinem Logo habe ich versucht dem Ausdruck zu verleihen. Eine Rebenhand, als Verbindung zwischen Mensch und Weinstock, gibt eine Traube in ein stilisiertes Glas. (das V von Vivants) Naja, jeder der das weiß, wird es auch sehen! ;-)
Die Bewegung des vin naturel ist etwa Anfang der 80er Jahre entstanden und wurde von Jules Chauvet angeregt. Chauvet war Negociant-Eleveur im Beaujolais. Das ist jemand der Trauben kauft und sie zu Wein macht. Daneben war er ein geschätzter Verkoster und gelernter Chemiker. Er stand im Austausch mit dem Nobelpreisträger für Medizin, Otto Walburg, und hat sich mit Hefen, malolaktischer Gärung und der Kohlensäuremaischung auseinander gesetzt. Ich versuche gerade seine vergriffenen Werke zu erstehen.
Einer der ersten Weinmacher die sich seiner Gedanken angenommen hat, war der leider im letzten Jahr viel zu früh verstorbene Marcel Lapierre. Von seiner Domaine in Villie-Morgon ausgehend, gewann der schwefelarme und natürliche Weinausbau immer mehr Anhänger.
Die Weine stammen aus biologischem und biodynamischem Anbau, wenn auch nicht immer zertifiziert. Die Kernpunkte sind hier die Animierung des Bodenlebens, Verzicht auf Herbizide (chemische Unkrautbekämpfung) und chemische Düngemittel, Aufbrechen der Monokultur (Begrünung) und Pflanzenschutz ohne synthetische Spritzmittel auf Basis von Schwefel und Kupfer.
Um auch den Eintrag dieser Stoffe in den Boden zu verringern wird mit Präparaten gearbeitet, die die Selbstheilungskräfte der Reben stimulieren, so genannte Phytoalexine. Das Weiteren mit Kieselsäuren und Tonmineralen, die die Traubenhaut gegen den Angriff von Pilzkrankheiten (falscher und echter Mehltau) abhärten. Es gibt eine ganze Hand voll Möglichkeiten, um nicht synthetisch zu arbeiten, die bis zu der Anwendung von Backpulver reichen!
Soweit sind wahrscheinlich noch alle Biowinzer bei mir! Spannend wird es dann im Keller. Keine Chaptalisierung, keine chemischen Säurekorrekturen, keine Trockenhefen, keine Enzyme oder Tannine, keine Schönung oder Filtration (manchmal auch bei Weißwein!) und meist die Arbeit mit einem Minimum an Schwefel. Das heißt zwischen 10 und 20mg/L (manchmal auch 0mg/L)! Das ist etwa ein drittel bis ein fünftel von dem was gut(!) arbeitende Betriebe benutzen, also sehr gering!
Ich will nicht sagen, das gut arbeitende Betriebe das nicht auch so machen! Es ist sogar so das einige meiner Winzer sagen, wir sind zwar nicht vin naturel, aber wir könnten es von unseren Analysen her sein. Auch auf der Domaine des Enfants haben wir mit sehr wenig Schwefel gearbeitet und zwar weil es den Ausdruck der Weine und ihr Gleichgewicht verbessert, sie bekömmlicher macht.
Ein schwefelarmer, lebendiger Wein hat eine eigentümliche Wirkung auf den Trinkfluß. Er geht ohne Barriere in uns rein! Bei manchen konventionellen Weine spürt man förmlich den Widerwillen des Körpers – nicht so bei diesen handwerklich hergestellten Flüssigkeiten. Das Adjektiv dazu wird im französischen glou glou genannt. Das Geräusch, was der Wein macht, wenn er die Kehle hinunter läuft! Je mehr glou glou der Wein ist, desto höher der „glou glou Faktor“ ;-)))
Vin naturel ist, wie vielleicht damals der Biowein, kontrovers diskutiert und natürlich gibt es besseren oder schlechteren vin naturel. Es gibt auch Kellner die einem oxidierten Essig anbieten und angefressen reagieren, wenn man dankend ablehnt. Es kommt, wie so oft, auf die Auswahl an!!!
Wenn sie gut gemacht sind, sind die vin naturel absolut authentisch, pur und animierend. Etwas vom spannendsten was man trinken kann. Bei meiner Verkostung im Chateau Breze zeigten sich alle Weine auf sehr hohem Niveau. Das fand ich äußerst erfreulich.
Mi
16
Feb
2011
Eine kurze Zwischenstation habe ich dann als erstes im Burgund gemacht, als kleiner Händler und Jungunternehmer ist es unglaublich schwierig vernünftig mit diesen Weinen zu arbeiten. Die guten Weingüter sind auch in Deutschland schon ausreichend vertreten. Ein Weingut aus dem Chablis, das ist der nördliche Anhang ans Burgund, hat dann aber doch Eindruck auf mich gemacht! Die Domaine Moore produziert ausdrucksstarke, nachhaltige und schön balancierte Weißweine, auch der Aligote ist hervorragend gelungen. Ich bin auf die Preisliste gespannt;-)
Weiter ging es an der Loire! Das was wir hinlänglich als Loire bezeichnen, ist eigentlich eine ziemlich weit gestreckte Region mit unterschiedlichen Rebsorten und Stilistiken. Wir fangen am Atlantik etwa bei Nantes mit dem Muscadet und seinen Spielarten an! Hier werden aus der Melon de Bourgogne frische Weißweine erzeugt die sehr gut zu Meeresfrüchten passen. Der traditionelle Ausbau sur lie, d.h. auf der Hefe, verleiht den Weinen am Gaumen neben einer knackigen Säure auch noch den nötigen Schmelz! Es heißt ja nur zwei Weine passen wirklich zu Austern, entweder ein guter Chablis oder ein schlechter Chablis! Ich finde allerdings Muscadet de Sevre et Maine passt genial, vor allem von Produzente wie Jo Landron oder Guy Bossard. Darüber kann man vorzüglich mit Leuten streiten.
Di
08
Feb
2011
Mit dem TGV ging es von Montparnasse durch den Frühnebel in Richtung Angers, wo uns ein strahlend blauer Himmel begrüßte. Kommt man aus dem hektischen Paris, ist die immerhin 250.000 Einwohner zählende Stadt eine richtige Wohltat - ruhig, relaxt und freundlich! Der sogenannte Cafe, aber vor allem die von mir sehr geschätzten Tarteletts aux Framboise, haben das Aufwachen erstaunlich erleichtert. Ich fühlte mich frisch und voller Tatendrang!